Politik im ND? – Gedanken zum Aschermittwoch

Der Inhalt dieses Beitrages entspricht der persönlichen Meinung des Autors.

Die Rede zum politischen Aschermittwoch hatte ich schon länger formuliert. Aschermittwoch ist ein Tag des In-sich-gehens, des Innehaltens und der Umkehr. Ausgehend vom bayrischen Brauchtum seit dem Ross- & Viehmarkt zu Vilshofen/Donau Anno Domini 1580.  Wer kann sich nicht an Franz Josef selig erinnern. Die anderen Parteien versuchen, da nachzuziehen. Aber wer erreicht schon ein Original? Krachledernde und vollmundige Reden fürs Gemüt, maßlos viel Bier, Obatzda und Brezel, vielleicht ein winziger Hauch von Besinnlichkeit.

Diese Aschermittwochskulisse wirft die Frage auf: Wie steht es um die Politik im ND? Huch, da werden jetzt einige erschrecken. Politik, die betreiben wir doch nicht. Und Parteipolitik schon mal gar nicht. Vieles wird getan, um bloß nicht auf dem Radar der Gesellschaft aufzutauchen. Dabei bezieht Politik sich im eigentlichen Sinne auf Stadt / Gemeinschaft und die Regelung gemeinsamer Angelegenheiten durch verbindliche Entscheidungen. So gesehen lässt sich ein ND ohne Politik Nicht Denken.

Vorletzten Sonntag haben wir im Medienboard ein Dreiviertel-Stündchen darüber philosophiert, wie das mit dem Verbandsnamen so entsetzlich schief gelaufen konnte. Das Medienboard hat die Aufgabe, sich über die verbandliche Kommunikation die Köpfe zu zerbrechen. Zwei Buchstaben also, die sich für lustige Wortkombinationen eignen. Von Neu Denken bis niemals durstig: Alles ist drin. Wer für alles offen ist, sei ja nicht ganz dicht, war so ein bisschen die These am Tisch in der Gabelsberger Straße. Auch kam das Lamento: Wir schwebten in der Gefahr mit einer sozialistischen Tageszeitung verwechselt zu werden. Wenn sie überhaupt noch am Zeitungskiosk des Vertrauens ausliegt. Ich persönlich sehe das anders. ND bietet uns die wunderbare Möglichkeit, sich selbst einen Reim auf den Verband, auf die Gemeinschaft, auf das Netzwerk und auf den Bund machen zu können. Etwas daraus zu machen.

Natürlich stellt sich die drängende Frage, wer diesen ganzen Flohzirkus voller meinungsstarker Individuen zusammenhält. Politisch betrachtet kommt diese anspruchsvolle Aufgabe den ND-Räten zu. Jährlich gibt es derer zwei. Drei Tage lang tagt der Herbstrat. Er ist das Standbein der politischen Meinungsbildung und Entscheidungsfindung im Verband. Daneben der Frühjahrsrat als Spielbein. Kürzer, variabler. Dieses Jahr tagen wir sogar am 18. März digital. Alle Bundesgeschwister können sich in das Zoom-Meeting zuschalten. Eine große Chance, Demokratie im Verband mitzuerleben.

Asche über unser Haupt. Zwar gelten die rund vierzig ND-Ratmitglieder als einigermaßen informiert. Für die restlichen Bundesgeschwister gilt das Motto der Londoner U-Bahn: „Mind the gap.“ Irgendwann, ich denke in näherer Zukunft, werden wir uns heftig um das Selbstverständnis des ND-Rates streiten müssen. Die einen verstehen den ND-Rat als eine Art „Aufsichtsrat“, der Beschlüsse der Leitung und einen perspektivlosen Rechenschaftsbericht schlafwandlerisch abnickt. Anderen erscheint der Rat wie eine „CDU-Vorstandsitzung aus den Siebzigern“ Das Originalzitat fiel nicht in einer Rede zum Aschermittwoch, sondern als ich frisch in ND-Bundesleitung gewählt worden war. Sollten wir die ND-Räte nicht lieber als quicklebendigen Diskussionszirkel gestalten, die neugierig & tatenlustig über Kirchturmspitzen hinaus denken ans Christ-sein.morgen.  Auf dem digitalen Rat am 18. März, aber auch am Lagerfeuer auf der Neuerburg und den anderen Aktivitäten im Bund. Nicht die Asche hüten, sondern die Feuer entfachen.

Eine Antwort

  1. Am vorletzten Sonntag haben wir im Medienboard auch darüber nachgedacht, wie politische Aussagen des ND etwa beim „über Kirchturmspitzen hinaus denken ans Christ-sein.morgen“ besser bei den Menschen, natürlich auch im ND, ankommen – wenn sie denn erfolgen.

    Der Frühjahrsrat am 18. März 23 wäre wieder mal eine gute Gelegenheit dazu! Natürlich muss es dazu eine Vorlage des Vorstands geben, „nicht die Asche hüten“.
    Schau ma mal …

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