Deutschland, Hessen, Frankfurt am Main, 10.03.2023 - SV VI Tag 2 Am Freitag den 10.03.2023 wird die vierte Synodalversammlung des Synodalen Weges im Congress Center Messe Frankfurt fortgeführt. Lukas Färber mit Lovers Unite Tshirt FOTO: MAXIMILIAN VON LACHNER / SYNODALER WEG

ND plädiert für Synodale Räte – Einstimmiger Beschluss des ND-Frühjahrsrat

Der Inhalt dieses Beitrages entspricht der persönlichen Meinung des Autors.

Der ND-Rat hat Bilanz beim Synodalen Weg gezogen und will den Druck weiter hochhalten.  „Das Gemeinsame Beraten und Entscheiden muss seinen Ausdruck finden in der Einrichtung von Synodalen Gremien“, fordern die Ratsmitglieder einstimmig. Mit aller Entschiedenheit soll die Vertreter:innen der katholischen Kirche für das Diakonat der Frau und für Segensfeiern, für Paare, die sich trauen, eintreten. Der Beschluss mit „Weiter vorwärts auf den Synodalen Weg“ überschrieben.

Zuvor hatten die fast vierzig Ratsmitglieder intensiv mit Claudia Lücking Michel und Karlies Abmeier über den Geschehnissen auf dem Synodalen Weg debattiert. Eindrucksvoll skizzierte Claudia Lücking Michel die Entscheidungsdynamiken rund um die finale Synodalversammlung in Frankfurt. Sie hatte das Synodalforum „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag“ zusammen mit Bischof Overbeck geleitet.

Den Blick in die Bistümer schärfte Kalies Abmeier, die Vorsitzende des Diözesanrates im Berliner Erzbistum. Im November hatte der Diözesanrat nach einem mehrjährigen Prozess dafür votiert, im Erzbistum einen Synodalen Rat einzurichten. Wegweisend hätten die Diskussionen des Synodalforums gewirkt. Die Vertagung des Handlungstextes „Gemeinsam beraten und entscheiden“ bedeute keinen Rückenwind. Gleichwohl sind mit dem Grundlagentext zu Macht und Gewaltenteilung und dem Beschluss zu dem Synodalen Rat markante Meilenstein gesetzt.

Das Thema wird Abmeier und Lücking-Michel als gewählte Mitglieder des Synodalen Ausschusses weiter umtreiben. Und den ND auch.

Redaktionelle Hinweise: Foto-Copyright: © Synodaler Weg/Maximilian von Lachner. // In der ersten Fassung des Artikels fand sich noch die Formulierung: „Der Beschluss der Synodalversammlung zum Diakonat der Frau muss mit allem Nachdruck in der Weltkirche vertreten werden, ohne dass es zu Querschüssen von einzelnen Bischöfen kommt.“ Den letzten Halbsatz hatte ein Mehrheit der Ratsmitglieder aus dem Text gestrichen.

 

 

Weiter vorwärts auf den Synodalen Weg

I.

Vor einer Woche ist die fünfte Vollversammlung auf dem Synodalen Weg zu Ende gegangen.  Für das außerordentliche Engagement der Synodalen und der weiteren Beteiligten in Verbänden sowie in den Initiativen bedanken wir uns von Herzen, insbesondere für ihre Zeugnisse lebendigen Glaubens, Ringens und Zweifelns. Ein unübersehbarer Meilenstein ist mit den beschlossenen, aber auch den nicht verabschiedeten Dokumenten erreicht.

Den Ausgangspunkt des gemeinsam von Bischofskonferenz und Zentralkomitee der Deutschen Katholiken begonnenen Synodalen Weges gilt es weiter im Auge zu behalten: Die sexualisierte Gewalt in der katholischen Kirche. „Inhaltlich legen die Studien erneut die systemischen Ursachen und tiefe, strukturelle Verwerfungen der Institution Katholische Kirche bis hin zum menschenverachtenden Verhalten seiner Führungsriege schonungslos offen.“ (Johannes Norpoth, am 10. März in der Synodalversammlung) Das Zeugnis der Betroffenen ist substantieller Wegweiser für Themen und für die Richtung der Debatten und zugleich Maßstab für eine erfolgreiche Umsetzung des Synodalen Weges.

II.

Was in den Verbänden, Gemeinden und im Kirchenvolk schon lange rumort hat, was die biblische Botschaft und das kirchliche Leben systemisch verdunkelt und blockiert hat: All das alles liegt jetzt offen auf dem Tisch. Ein großes Verdienst aller Beteiligten auf dem Synodalen Weges ist es, die Fragen nach Macht und Gewaltenteilung, nach der Rolle von Frauen in der Kirche, nach der priesterlichen Lebensform und der Sexualmoral systematisch und theologisch reflektiert bearbeitet zu haben. Hinter diesen Punkt kommen wir nicht mehr zurück.

Transparent wurde in den Synodalversammlungen und den Antragsberatungen auch die scharfe „Systemkollision“ (Prof. Magnus Striet) zwischen autoritären Argumentationsmustern und einem Dialogprozess auf der Höhe der Zeit, im Wissen um Forschungserkenntnisse und gesellschaftliche Entwicklungen.

III.

Wiederholt haben wir uns im ND mit dem Synodalen Weg beschäftigt. An folgenden Punkten wollten wir die Resultate messen (Beschluss des ND-Rates 2021: „Kirche im Nebel: Die Eigenverantwortung aller Katholikinnen und Katholiken achten und stärken“):

„Engagierte Frauen und Männer in den Gremien der Mitverantwortung werden in die Beratung der anstehenden Fragen einbezogen.“

Hier fehlen uns substantielle Ergebnisse. Der Handlungstext „Gemeinsam beraten und entscheiden“ führte zur hitzigsten Debatte auf der Synodalversammlung. Den Eindruck von Prof. Thomas Söding teilen wir: „Es war zu viel Spannung im Raum. Ich hatte den Eindruck, dass noch zu viele Bischöfe meinen, sie müssten ihre Autorität verteidigen, indem sie Partizipation begrenzen.“ Vermutlich ist es vernünftig gewesen, den Text in den nun komplett besetzten Synodalen Ausschuss zu vertagen.

Aber: Die Mitverantwortung kompetenter Laien kann sich nicht in einem bloßen Gehört-werden beschränken, sondern muss sich in einem aktiven Beteiligt-sein an Entscheidungsprozessen verwirklichen. Nachdrücklich verteidigen wir die Gründung Synodaler Räte.

 „Frauen und Männer sollen in der Kirche gleichgestellt sein und Frauen soll der Zugang zu allen kirchlichen Ämtern gewährt werden.“

Hier fehlt uns der Mut. Fast wäre der Handlungstext „Frauen in sakramentalen Ämtern – Perspektiven für das weltkirchliche Gespräch“ nicht in der Synodalversammlung beraten und beschlossen worden. Zweifellos ist die hohe Zustimmung, auch die der Bischöfe, für das Diakonat der Frau ein Erfolg und ein klares Signal in die Weltkirche.

Aber: Damit ist die Kirche in Deutschland keinen Millimeter weitergekommen als die Würzburger Synode vor fünfzig Jahren. Die Kirchenkrise ist seitdem wesentlich existentieller geworden und es wird immer unverständlicher, warum die auch in dieser Synodalversammlung erlebbaren und erkennbaren Charismen von Frauen weggeleugnet werden. Wir haben wahrgenommen, dass sich kein Bischof für die Priesterweihe von Frauen ausgesprochen hat.

IV.

Insgesamt bleiben wir bei unserer Forderung nach mehr Geschlechtergerechtigkeit in der katholischen Kirche in Deutschland. Sehr positiv bewerten wir das veränderte Verständnis in der Synodalversammlung zum Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt. Der Handlungstext ist mit übergroßer Mehrheit verabschiedet worden, anders als der Grundlagentext, der noch am Veto der Bischöfe in der vierten Vollversammlung gescheitert ist.

Jenseits dieser skizzierten Fragen hat die Synodalversammlung Veränderungen ins Rollen gebracht: Dass Segensfeiern für Paare, die sich lieben, aus der Grauzone geholt werden, dass nicht geweihte Frauen und Männer in Eucharistiefeiern nach dem Evangelium predigen dürfen, dass niemand wegen seiner sexuellen Orientierung und seines privaten Beziehungslebens aus kirchlichen Diensten entlassen oder von diesen ausgeschlossen werden darf.

V.

In unserem Beschluss hatten wir als ND-Rat 2021 festgestellt, dass „systemische Reformen zur echten Erneuerung der Kirche immer notwendiger und unabweisbarer werden“. An dieser Aussage hat sich nichts geändert.

Die Resultate der fünften Synodalversammlung haben nach unserer Ansicht nach erste inhaltliche Meilensteine gesetzt, das notwendige Niveau für den transparenten Diskurs etabliert und das Wissen um die Chancen eines synodalen Miteinanders in der Kirche ungemein bereichert. Sicherlich ist „der Gegenwind, den wir spüren, auch eine Reaktion auf die Geistkraft.“ (Bischof Georg Bätzing)

Aber die überfällige strukturelle Veränderung der katholischen Kirche in Deutschland haben wir noch längst nicht erreicht. Deshalb sind alle aufgefordert, den Synodalen Weg mit aller Geistkraft und Energie fortzusetzen.

Insbesondere erwarten wir:

  • Das Gemeinsame Beraten und Entscheiden muss seinen Ausdruck finden in der Einrichtung von Synodalen Gremien in den Diözesen und für die katholische Kirche in Deutschland. Dazu müssen DBK und ZdK schnellstmöglich ein verbindliches und transparentes Verfahren vereinbaren.
  • Der Beschluss der Synodalversammlung zum Diakonat der Frau muss mit allem Nachdruck in der Weltkirche vertreten werden.
  • Die liturgische Handreichung für Segensfeiern von Paaren, die sich lieben, soll umgehend in (Erz)Bistümern in Kraft gesetzt werden.

Die nächsten Gesprächsphasen und Umsetzungsschritte werden wir sehr genau verfolgen.

Nach dieser großen Kraftanstrengung braucht es Durchhaltevermögen, Elan, Esprit und Courage, um die notwendigen Reformen voranzutreiben. Dies gilt für den Synodalen Weg in Deutschland, für die synodalen Bemühungen weltweit und auch für den Weg der Weltsynode in Rom.

2 Antworten

  1. Solange eine Frau nicht auch Priesterin, Bischöfin, Kardinälin oder Päpstin werden kann, liegt eine Geschlechterdiskriminierung vor, die sowohl dem (deutschen) Grundgesetz als auch allen anderen Anti-Diskriminierungsgesetzen widerspricht und damit — weil strukturell verankert — die röm.-kath. Kirche nicht nur als moralische Instanz, sondern auch als legitime Organisation vollkommen un-glaub-würdig und rechtlich untragbar macht.
    Seit der Aufdeckung des strukturellen Missbrauchs durch Amtsträger und der nicht erfolgten Anzeige und Verfolgung bei/durch die zuständigen Strafverfolgungsbehörden ist das Zahlen von Kirchensteuern m.E.n. gleichzusetzen mit der Unterstützung einer kriminellen Vereinigung.
    Und dass erstmal im Jahre 2023 ein Kardinal von den staatl. Strafverfolgungsbehörden vernommen wurde heißt ja, dass die quasi-Immunität der Kirchenoberen höher ist als die unserer Abgeordneten. Deren Immunität kann offiziell aufgehoben werden und endet automatisch mit Ende ihrer Amtszeit. Die der Bischöfe und Kardinäle kann es nicht, da sie de jure nicht existiert bzw. sie ihr Amt nie beenden (außer durch den Tod). Was für eine Farce!

    1. Nun ja, Johannes Sauerbier,
      die Position des ND ist, dass wir den Zugang der Frauen zu allen Weiheämtern fordern. Den Ausschuss empfinden viele in der Tat als diskriminierend. Allerdings räumt das Grundgesetz den Kirchen hier einen Gestaltungsspielraum ein. Zweitens widerspreche ich dir Deiner kurzschlüssigen Gleichsetzung Struktureller Missbrauch / Kirchensteuer / kriminellen Vereinigung entschieden. Auch Deinen Ausführungen zur „Quasi-Immunität“.
      Die Linie des ND ist im Beschluss „Kirche im Nebel“ unmissverständlich:
      „Als Grundsatz für die konsequente Verfolgung und Sanktionierung der Missbrauchstäter und die Offenlegung der Verantwortlichkeiten in den Kirchenleitungen muss gelten: Die Perspektive der Betroffenen setzt den Maßstab für das überfällige Aufklärungshandeln und die notwendige Erneuerung der Kirche. Deshalb reicht weder eine Bewertung anhand von Akten, noch eine nur kirchen- oder strafrechtliche Beurteilung. Es geht um eine genuin moralische Dimension. Mit dem Wissen von heute über die Systeme der Verantwortungslosigkeit stellt sich die Frage nach persönlichen Konsequenzen und glaubwürdigen Schritten in eine erneuerte Zukunft der Kirche.“
      Damit ist unsere Haltung im ND klar skizziert, die ua. in unserem Beschluss mit dem Norpoth-Zitat nochmals akzentuiert ist.

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