Arbeitskreise

Naturwissenschaft und Glaube

Der Arbeitskreis wurde 1985 von Mitgliedern des Hochschulrings und der KMF gegründet. Er veranstaltet seitdem mindestens einmal im Jahr eine größere Wochenendtagung (seit 2015 im Bildungshaus „Kloster Salmünster“) und  ist mit thematischen Angeboten innerhalb und außerhalb des ND präsent.

Der AK versteht sich als ein Forum für Grenzfragen von Naturwissenschaft und religiösem Glauben. Die Themen ergeben sich meist aus aktuellen naturwissenschaftlich-technischen Entwicklungen, die unser aller Weltbild oder Leben verändern. Uns interessieren dabei die Rückwirkungen auf unser Christsein heute. Welche Fragen ergeben sich daraus an unser persönliches Handeln und Glauben?

Als Teil eines kirchlichen Netzwerks möchten wir helfen, Fehler und Irritationen im Dialog mit den Naturwissenschaften aufzuarbeiten bzw. Neue abzuwenden und nötige Umorientierung zu begleiten.

Alle interressierten NDer sind eingeladen, sich mit eigenen Ideen und Wünschen an der Vorbereitung von Tagungen und anderen Aktivitäten zu beteiligen. Dazu gehört auch der im Jahr 2000 gegründete  Verein „Naturwissenschaft und Glaube e.V.“ (nugev.de), der auch über den ND hinaus Aktivitäten mit wechselnden Kooperationspartnern (z.B. Akademien und Bildungswerken) durchführt.

 

Vor allem aus der Biogenetik, der Medizin und der Psychologie ergaben sich in den letzten Jahrzehnten neue Erkenntnisse zur menschlichen Sexualität. Aus ihnen lässt sich eine natürliche Vielfalt sexueller Identitäten ableiten und zum Teil genetisch belegen.

In der mutigen Aktion „Out in church“ hatten sich Anfang des Jahres 125 Angestellte kath. Institutionen in einer TV-Dokumentation der ARD geoutet, in einer kirchlich bis-her nicht geduldeten Art von Beziehung zu leben. Sie seien nicht mehr länger bereit, dieses aus Sorge um ihren Arbeitsplatz zu verheimlichen. Da viele Diözesan-Verantwortliche sofort versicherten, keine Entlassungen vornehmen zu wollen, benötigt die Kirche dafür so bald wie möglich neue und verlässliche Umgangsregeln.

Welche sexualwissenschaftlichen Erkenntnisse könnten die Basis dafür bilden? Wie lassen sich der Ursprung und die Vielfalt sexueller Identitäten besser erklären und bewerten? Wo ist der Umgang mit Homo- und Transsexuellen als diskriminierend anzusehen? Auch Fragen zu Störungen sexueller Identitäten, deren Gefahren und Therapien, müssen neu gestellt werden.

Unsere Referenten

Prof. Dr.Dr. Klaus Beier ist Leiter des sexualwissenschaftlichen Instituts der Berliner Charitè und hat zuletzt mit dem Hilfsprojekt für pädophil veranlagte Menschen „kein-Täter-werden“ für viel Aufsehen gesorgt.

Prof. Dr. Thomas Weißer (geb. Laubach) ist Lehrstuhlinhaber für theologische Ethik der Universität Bamberg und hat sich auf Gender- und bioethische Fragestellungen spezialisiert. – Vielen dürfte er aber auch als Textschreiber beliebter Kirchenlieder der Gruppe Ruhama bekannt sein wie z.B.: „Da berühren sich Himmel und Erde…“

Das Programm, die Anmeldung und Tagungspreise, sowie die Anfahrtshinweise kann man dem verlinkten vollständigen Tagungsflyer entnehmen.

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Bericht von der digitalen Konferenz des AK Naturwissenschaft und Glaube am 2. und 3. Juli 2021

Ist außerirdisches intelligentes Leben mit dem Christentum vereinbar?

Das kommt darauf an, wie wir das Christentum interpretieren“, so die Antwort von Armin Kreiner, Emeritus der Fundamentaltheologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Der Arbeitskreis Naturwissenschaft hatte ihn und die Bochumer Astrophysikerin und Direktorin des dortigen Planetariums, Susanne Hüttemeister, zur digitalen Konferenz eingeladen. Mit von der Partie war auch der Kölner Exoplanetenforscher Sascha Grziwa, der bei der Einführung in dieses neue Forschungsgebiet seine Unterstützung angeboten hatte.

Wie Frau Prof. Hüttemeister ausführte, ist nach heutigem Stand der Wissenschaft mittlerweile die Existenz von über 4600 Exoplaneten erwiesen, von denen sich 60 (siehe Zoombild) in der „habitablen Zone“ um einen nahen Stern bewegen und auch von der Größe und Art eine mögliche Eignung für Leben aufweisen könnten. Auch der uns nächstgelegene Stern weist einen solchen Exoplaneten mit Namen Proxima Centauri b auf, ist aber dennoch 4,2 Lichtjahre von uns entfernt, während das Licht unserer eigenen Sonne nur 8 Minuten bis zu uns braucht.

So oder ähnlich konnten die Teilnehmer die Vortragsfolien und rechts unten die Referentin während des Vortrags sehen

Die einzige Chance zu erkennen, ob auf einer dieser für Leben geeigneten Exoplaneten wirklich auch Leben entstanden ist, scheint die Analyse möglicher Atmosphären auf diesen Exoplaneten, da diese über zusätzliche Spektrallinien im Licht des Sterns, abhängig vom Stand des Planetenumlaufs in einigen Fällen bereits gelungen ist. Das bei möglichen Kandidaten genauer zu untersuchen, soll in Zukunft durch das neue James-Webb-Weltraumteleskop und geplante, noch größere irdische Teleskope ermöglicht werden. Als untrügliches Zeichen für Leben gelten vor allem Linien von Ozon, da sie kaum anders als durch Sauerstoff produzierende, der Photosynthese ähnliche Vorgänge auf einem Planeten möglich erscheinen.

Was wäre, wenn auf einem solchen Exoplaneten nicht nur Leben, sondern intelligentes Leben analog zu dem unseren nachgewiesen würde? Der aufklärerische Philosoph Thomas Paine, einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten von Amerika, formulierte schon vor über 200 Jahren, dass ein solcher Nachweis das Christentum auf einen Schlag erledigen würde, denn es sei ja völlig undenkbar, die christliche Heilsgeschichte kosmisch zu extrapolieren. Diese sei völlig auf Jesus Christus und sein irdisches Erlösungswerk fokussiert.

Diese Argumentation, die seither immer wieder vorgetragen wird, überzeugte Armin Kreiner nicht. Vielmehr schlug er vor, eine Neuinterpretation der Menschwerdung des göttlichen Wortes (Logos) in den Blick zu nehmen, die sich grundsätzlich durchaus in verschiedenen, dafür geeigneten planetaren Welten ereignen könne. Damit wird die Inkarnation allerdings von der historischen Person des Jesus von Nazareth entkoppelt und zur „Metapher“ für ein grundlegendes, erlösendes Ereignis der Verbindung geschöpflich-intelligenten und göttlichen Lebens. Will man nicht in diese Richtung denken, so Kreiner, dann sei man gezwungen anzunehmen, dass das Christusereignis hier auf der Erde kosmisch einmalig ist und demnach von Christen sobald es zukünftig einmal möglich würde, in einer „intergalaktischen Mission“ über das gesamte Universum verbreitet werden müsste.

Wie in der Diskussion deutlich wurde, lag es auch für die Teilnehmenden sehr viel näher, dass ein universaler Heiliger Geist auch auf selbstbewusste, personale Wesen anderer Planeten eine Wirkung mit einer der christlichen Heilsgeschichte vergleichbaren Entwicklung ausübt. Letztlich werfen Erkenntnisse über mögliche, weit entfernte „Verwandte“ somit auch ein Schlaglicht auf unsere eigene Vorstellung von der Inkarnation Gottes.

In einem abschließenden Gottesdienst beschäftigte sich Pfarrer Bernd Weckwerth mit der neuen Welt des Himmels. Dieser müsse nach heutigem Denken immer etwas mit unserem Leben und mit der Entwicklung des Kosmos zu tun haben.

                                                                                 Kurt Schanné und Gerd Weckwerth

Jahrestagungen – Themenübersicht seit 1985 (PDF-Dokument)

Wissenschaft konsequenter einbeziehen
Ein Beitrag des AK zu den Aufbrüchen im  digitalen Kongress 2021 

Vorbereitung auf den Gottesdienst in der Kapelle

Leitung

Dr. Gerd Weckwerth
und Kurt Schanné

Email-Kontakt: naturwissenschaft.u.glaube@nd-netz.de

AK-Jahrestagung
am 26.-28. August 2022
im Kloster Salmünster
Thema:
Sexuelle Identitäten und Menschenwürde – Humanwissenschaftliche Erkenntnisse erfordern eine neue Sexualmoral


V E R E I N :
Naturwissenschaft und Glaube e.V.


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