Beauftragung und Sendung – Glaubenszeugnis vor Ort im Gasthaus

Der Inhalt dieses Beitrages entspricht der persönlichen Meinung des Autors.

Ein Reisebericht über jesuanische Gastfreundschaft in Mainz von Norbert Mazurowicz

Als der „kirchliche Geheimdienst“ 1998 der ND Gruppe, Thomas-Ketteler-Kreis in Mainz, hinter vorgehaltener Hand die Ankunft eines neuen Paters bei den Dominikanern avisierte, der dem Bund ND angehören soll, da war Diethard längst Teilnehmer einer Untergruppe des erwähnten erlauchten ND Kreises, dem legendären ND Wanderstammtisch.

Schon im Vorfeld seines Umzugs hatte er mit unserem Regional- und Gruppenleiter Kontakt aufgenommen. Er selbst war ein bekennender Stammtischler und hat Diethard direkt zum nächsten Stammtisch eingeladen und ihm auch die für diesen Donnerstag erwählte Gaststube mitgeteilt, die er in der fremden Stadt ohne Probleme fand. Zum Einstieg bekannte er, für ihn sei die Teilnahme an so einem Stammtisch keine Frage, natürlich käme er nun Donnerstag Abends zu uns. Auch unsere Warnungen über die Besonderheiten dieser Truppe prallten an ihm ab, – und er hat sich später auch nie beschwert, ich fürchte fast, er hat sich amüsiert.

In kurzen Stichworten: dieser Stammtisch wanderte von Gast/Weinstube zu Gaststube. Wir kannten alle Kneipen, in vielen hatten wir direkten Kontakt zur Wirtin oder wahlweise dem Bedienungspersonal. Die Meisten freuten sich, wenn wir zu ihnen kamen.

Wir waren streitbar, kein Thema war tabu oder wurde ausgelassen, wir waren laut, wir waren nicht nur ND‘er, die Hälfte der Teilnehmer waren assoziiert, weil es sich im Laufe eines Stammtischleben ebenso ergeben hatte. Gesellschaftlich  repräsentativ waren wir sicher nicht, 2-3 Unternehmer, 2 Theologen, der Rest Beamte, meist Lehrer oder Hochschullehrer. Wenn es manchmal hoch herging war eine oft erhobene Forderung an den lautesten Diskutanten: „ Geh mal runter in den Keller (dort waren die Toiletten) und stemm` das Niveau“

Stellvertretend für die vielen besuchten Gaststuben möchte ich von drei 3 erzählen. Sie befanden sich fußläufig in der Nähe des Klosters; die Ereignisse dort können. Stellvertretend sein für die „Spiritualität“ dieses Stammtisches.

Der „Hahnenhof“  am Frauenlobplatz

Eine Weinstube mit dem Flair der Nachkriegszeit, bürgerlich gemütlich, große Weinauswahl. Frau Wirtin ist Ottilie, eine Seele von Mensch; hier treffen sich die Menschen aller Schichten, die hier an diesem Platz wohnen und natürlich alle anderen auch. Das ist ganz nach Diethards Geschmack. Wirtin O. zeigte bei einem exemplarischen Fall, ihre soziale Ader.

Wir waren mal wieder laut, ein BB erzählte Witze. Ein Ehepaar beschwerte sich bei Frau O. Sie sagte, dies sei eine öffentliche Weinstube, das müssten sie ertragen. Sie zahlten und gingen. Später saß das ganze Lokal in Stuhlreihen hinter uns und lachten sich über uns und unsere Kommentare einen Ast. Dass Diethard ein leibhaftiger Dominikanerpater aus der Nachbarschaft ist, konnte sie zuerst gar nicht glauben. Später dann schon -und sie war glücklich, dass sie uns nicht rausgeworfen hatte.

Droschkenstube in der Neustadt

In der Droschkenstube waltet die Wirtin „Priesterroth“ (nomen est omen!). Sie ist Fan vom Pater. Wenn er reinkommt steht der ehrliche Rheinhessen-Silvaner schon auf dem Tisch. Hier wird frisch gekocht. Änderungswünsche von Diethard werden klaglos erfüllt. Auch in der Droschkenstube folgen die Gäste, häufig Singles, den lautstarken Diskussionen der Stammtischler. Legendär die Gesangs- einlagen, wenn neue Liedübersetzung von Diethard aus fremden Sprachen oder auch Psalmen Probe gesungen wurden; die Fangemeinde in der Weinstube wuchs.

Raugraf – Weinstube oberhalb des Bahnhofs

Auch hier ist der ND Stammtisch laut, diskussionsfreudig ,streitbar bis hin zu den Pommesfrites. Wenn mehrere Teilnehmer ein Gericht mit Pommes bestellten gab es eine große Schüssel für alle; regelmäßig kam es dann zum Streit. Wirtin Barbara mahnte um Ruhe und Gelassenheit, gegen andere Gäste nahm sie uns aber auch in Schutz.

Hier stellte Diethard öfter seine neuen Texte zur Diskussion, wir texteten alle mit, so wurden Texte geändert und ergänzt, eine Form der Schwarmintelligenz, schon damals.

Im Raugrafen trug sich auch ein spektakuläres Ereignis zu: Der Stammtisch diskutierte mal wieder eher zu laut, jeder konnte mithören. Die Diskussion ging um Papst Johannes Paul II ; er kam nicht gut weg bei den Wortbeiträgen. Da kommt ein Herr vom Nachbartisch zu uns rüber und fragt, was haben sie denn gegen den Papst? Na, da musste der Herr sich aber was anhören. Er antwortete pikiert: Ich schätze ihren Papst sehr, und stellte sich dann vor. Er sei der Dekan der evangelischen Theologie der Johannes-Gutenberg-Universität. Da er und seine Professorenkollegen auch donnerstags im Raugraf Wein tranken, sahen wir uns öfter. Als sich sein Kreis auflöste kam er direkt zu uns und wir hatten ein neues assoziiertes Mitglied!

Jetzt habe ich viel von Wein berichtet, dabei trinkt Diethard zumindest ebenso gerne Bier, bevorzugt die des Ostens, also Pilsener oder Krusovice .

Lieber Diethard,

wenn ich an die unzähligen Kneipenbesuche denke, wie Du mitten unter uns diskutierend gesessen hast, fällt mir spontan das Bibelzitat ein: …Jesus saß im Kreise seiner Jünger. Es ging immer um mehr, als nur die vordergründigen Auseinandersetzungen über Tagespolitik. Und eines ist gewiss: Du standest mit deinem Plädoyer immer auf Seiten der Ärmsten. Und so hätten wir trotz aller Widrigkeiten mit dir ein Glaubenszeugnis abgelegt – in den Gaststuben von Mainz. Wir danken Dir dafür.

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