Schöpfungstag und Klimakrise: Wie bereit sind wir?

Der Inhalt dieses Beitrages entspricht der persönlichen Meinung des Autors.

Das Bild ist weltbekannt. Ein Mädchen hält ein Schild „Skolstrejk för Klimatet“. Fünf Jahre ist es her, als die fünfzehnjährige Greta Thunberg mit ihrem Schulstreik zuerst ihre Umgebung und dann weit darüber hinaus ins Klimagewissen redete. Die Fridays For Future-Bewegung startete durch und traf auf große Akzeptanz. Die Bewältigung der Klimakrise sieht FFF als Hauptaufgabe des 21. Jahrhunderts und fordert die Einhaltung der Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens und des 1,5°C-Ziels. Längst gibt es spezifizierte Gruppen: Die Parents, die Scientists und die Churches for Future.

Das Pariser Klimaabkommen hat bekanntlich zum Ziel, dass sich die Welt bis zum Jahr 2100 im Durchschnitt maximal nur 1,5 Grad bzw. 2 Grad Celsius im Vergleich zu 1850 (als ungefähr die Industrialisierung begann) erwärmen darf. Inzwischen wurde die Zielmarke an vielen Orten überschritten. Jüngste wissenschaftliche Veröffentlichungen zeigen deshalb immer deutlicher auf, dass die Zeit zum Handeln, um das 1,5°C Ziel einzuhalten, immer knapper wird. Die Gefahr wächst, dass diese Grenze nicht mehr eingehalten werden kann. Es spitzt sich zu. Das Foto zeigt einen Klimamoment vom ND-Bayerntag.

Die breite Welle der Sympathie ist durchkreuzt worden: Zunächst durch Corona, dann durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Verwiesen die FridaysForFuture auf gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse, etwa die Untersuchungen des Welt Klimarates IPCC, bezweifelten Ignoranten die menschengemachten Ursachen der Klimakrise. Außerdem wird es immer heikel, wenn Einschränkungen des eigenen Wohlstands und Lebensstils notwendig sind.

Fridays For Future, das seien „alle, die für unser Klima auf die Straße gehen“, schreibt FFF auf ihrer Website. Für den 15. September rufen sie zum nächsten globalen Klimastreik auf. „Wir streiken für eine wirkungsvolle Politik, die dem Ausmaß der Klimakrise gerecht wird. Wir haben zehn Jahre, um unsere Ziele zu erreichen und müssen jetzt beginnen.“

Vor dem Klimastreik ist heute am 1. September der ökumenischen Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung ausgerufen. Aus diesem Anlass heraus kritisiert eine vielfältige und interessant gemischte Gruppe aus Bischöfen, Caritas, Orden und religiösen Gemeinschaften, pastoral Verantwortlichen und Verbänden die zögerliche Politik deutlich. In der Erklärung „Klimaschutz: Wir sind bereit“ verweisen sie auf Alarmsignale der begonnenen Klimakrise und gesellschaftliche Diskussionen. „Protest gegen die Untätigkeit der Politik, geboren aus Ungeduld und Verzweiflung, wird kriminalisiert. Polarisierung, Populismus, Aggression und Hass nehmen zu. Auf der Strecke bleiben die sachliche Auseinandersetzung mit den Problemen sowie angemessene Lösungen.“

Inzwischen hat die ND-Bundesleitung auf ihrem August-Treffen beschlossen, den Appell auch zu zeichnen. Die Unterzeichnenden erklären ihre Bereitschaft, „die Wende zur Klimaneutralität zu vollziehen und zum schnellst möglichen Zeitpunkt frei von fossilen Energieträgern zu werden. Daran arbeiten wir bereits intensiv.“ Für die Umsetzung brauche es seitens der Politik verlässliche rechtliche, soziale und finanzielle Rahmenbedingungen. Klaro.

Aus politischer Perspektive kritisiere ich, dass sich der Appell ausschließlich an die Exekutive richtet und leider unterschlägt, welche Dynamiken parlamentarische Debatten und gesellschaftliche Bewegungen wie die FFF entwickeln (können). Damit richtet sich die Frage auch an uns. Wie bereit und wie weit sind wir eigentlich?

2 Antworten

  1. Als uralter NDer, noch aus unserer ND-Jungengemeinschaft (Jg. 1933), kan ich unsere Texte nur mit Lupe entziffern (und hier schreiben). „Neu dabeisein“ wäre für mich „vorlesen“ wie bei katholisch.de. Mit meiner Bitte bin ich nicht allein beim „Neu Denken“. Summum Bonum! Euer Heiner Pasternak

  2. Als Mitglied einer Exekutive – wenn auch nur einer Kommunalverwaltung – weiß ich aus Erfahrung, dass solche Appelle wohlfeil sind, die Adressaten nichts kosten, selten eigenes anbieten und vielfach nur für die Galerie taugen.
    Die richtige Frage stellt Daniel Saudek auf katholisch.de in:
    https://www.katholisch.de/artikel/47343-sozial-oekologische-wende-warum-zoegert-die-kirche
    Sozial-ökologische Wende – Warum zögert die Kirche? Warum unterfordert sie ihre Mitglieder? Warum ist sie auf dem ökologischen Auge blind, so wie sie es im 19. Jhdt auf dem sozialen war und damals fast die gesamte Arbeiterschaft verlor?

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