Eine Windmühle vor bewegtem Abendhimmel

ND in den Mühlen der Transformation – Ein Kommentar zum Frühjahrsrat

Der Inhalt dieses Beitrages entspricht der persönlichen Meinung des Autors.

Zum dritten Mal hat der ND-Frühjahrsrat digital getagt. Waren die ersten beiden Male noch der Corona-Krise geschuldet, zoomten sich die rund vierzig Ratsmitglieder und einige weitere Mitglieder Mitte März an einem Samstag ohne größere technische Probleme zusammen.

Die verbandliche Demokratie digitalisiert sich. Und es wird die Hoffnung damit verbunden, dass das Ratsgeschehen damit deutlich transparenter wird. Zwar minimiert sich der Reiseaufwand, aber es fehlen die persönlichen Begegnungen. Der Rat verläuft funktionaler und direktiver. Die Gelegenheit fehlt, im Seitengesprächen Unklarheiten kurz zu klären.

Was lässt sich jetzt, neben dem Synodenbeschluss, unterm Strich als Resultat der Ratsberatungen festhalten? Zweifellos ist der ND ins Mühlwerk der Transformation geraten. Spürbar ist dies vor allem in den Beratungen und Entscheidungen zu den ND-Kongressen und den Regionen gewesen.

Kongresse verändert gestalten

Ungefähr hundert Leute weniger als in Augsburg haben sich für den Kongress in Münster angemeldet. Die Gründe sind unklar. Explizit wurden die zu hohen Preise beim Rat genannt. Kritisiert wurde ferner der Termin in der Osterwoche, der mit den Semesteranfängen in den Universitäten kollidiert.

Für den ND und den Kongress als zentrales Bundestreffen bekommt das Münsteraner Motto „Bleiben oder Gehen?“ innerverbandlich eine ganz spezielle Dynamik. Wir werden über fast alle Bereiche nachdenken müssen: Die Inhalte, ihre Gestaltung und die Zielgruppen, die Auswahl der Kongress-Städte, den Zeitraum, die Dauer, den Rhythmus, die Preisgestaltung, Außenwirkung und Urbanität, die lokale Verankerung und Unterstützung, die Arbeitsweise der Programmkommission und Geschäftsstelle. Die Leitung ist vom ND-Rat beauftragt, mittels einer Umfrage die Erwartungen der Bundesgeschwister an den Kongress zu eruieren.

Da kommt das nicht technisch zu verstehende Kongressthema für 2024 gerade recht: „Neue Energien gewinnen“. Für den Bonn gilt es, dass wir bereits in der Vorbereitung der ND-Kongresse vieles anders gestalten müssen.

Regionen stehen vor Veränderungen

Aber auch bei den ND-Regionen mehren sich Problemanzeigen. Sie bilden die Achse zwischen Gruppen und Einzelmitgliedern und den Bundesaktivitäten. Bereits auf dem Herbstrat in Münster ist diskutiert worden, wie schwierig es sei, Verantwortliche für die Regionalleitung zu finden, frei vagabundierende Einzelmitglieder in die Regionalaktivitäten einzubeziehen und wie sich regionale Veranstaltungen aufgrund der Altersstruktur verändern.

Dabei stellt sich die Situation in den verschiedenen Regionen und ihre jeweilige Bedeutung für die Bundesgeschwister durchaus unterschiedlich dar. Mancherorts gibt vitale Aktivitäten auf der Regionalebene, wenngleich ihr Umfang abnimmt. Auf der anderen Seite nehmen wir auch wahr, dass einzelne Regionen wegdiffundiert sind oder sich in Auflösung befinden und manche Regionalleitungen seit längeren nicht mehr auf ND-Räten vertreten sind oder vakant sind.

Insgesamt ist aber festzuhalten, dass sich überall ein Veränderungsdruck aufgebaut hat.  Die Schwierigkeiten sind vielfältig, Lösungen werden komplex ausfallen müssen. Mit großer Mehrheit hat der Rat deshalb beschlossen, ein Werkstattgespräch zur Zukunft der Regionen zu machen. Für Anfang Juni lädt die ND-Leitung die Regionalleitungsteams dazu nach Köln ein.

Nicht in eine Zwickmühle geraten

Damit diese Mühlen der Veränderungsprozesse im ND nicht zu einer üblen Zwickmühle werden, sind aus meiner Sicht zwei Punkte entscheidend. Es kann sich nicht in einem best of von Marketingideen und in „best practice“ Mitgliedswerbung erschöpfen. Es gilt der alte Grundsatz, der Verband ist kein Selbstzweck. Die herausfordernde Denkaufgabe ist: Welches Profil, welche Inhalte machen den ND zur klappernden Mühle am rauschenden Bach?

Zweitens müssen in die Gespräche über zentrale Verbandsbausteine möglichst viele Bundesgeschwister einbezogen werden. Die Überlegungen müssen breit diskutiert und vor allem transparent kommuniziert werden. Über Zukunftsfragen kann nicht in Hinterzimmern entschieden werden. Auf dem ND-Herbstrat, drei Tage lang, werden wir die Zwischenstände in Präsenz erörtern.

Eine Antwort

  1. Der Inhalt dieses Beitrages entspricht der persönlichen Meinung des Autors, heißt es.
    Aber wer ist dieser. Ist es Joe Menze selbst, der hier nur für die Redaktion benannt ist.
    Das sollte man doch klarer erkennen können; denn vieles, was hier gesagt wird, kann
    ich verstehen und als nachdenkenswert ansehen. Bonn wäre beinahe noch heute die
    Hauptstadt auch des wieder vereinten Deutschlands, was aber die Stadt dann doch, wie
    man heute sieht, überfordert hätte. Berlin steht dieser Titel besser zu Gesicht, war genau
    wie Deutschland selbst geteilt und ist wieder vereint worden – ist neben Paris, London und
    Rom als eine der großen Metropolen Europas anzusehen. Damit repräsentiert Bonn neben
    Weimar und Frankfurt eine eigene Teilgeschichte des Landes, die den ND in der Nachkriegs-
    zeit geprägt hat. Von der Energie, die der ND damals hatte, sollte vielleicht auch unsere Zeit
    sich neu inspirieren lassen, zu neuen Ufern aufbrechen mit der Urkraft des Geistes, die in
    unserer Gemeinschaft immer noch glüht und die richtigen Weichen stellen für die Zukunft.

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