Nachhaltigkeit

Unsere Natur lebt auf der Basis vieler in der Evolution entstandener dynamischer Gleichgewichte. Deren Bedeutung zeigt sich aber oft erst, wenn sie aus der Balance geraten. Dafür ursächliche Eingriffe des Menschen fielen erstmals vor 250 Jahren in der Forstwirtschaft auf, wo der Begriff der Nachhaltigkeit für die Erhaltung einer natürlichen Regenerationsfähigkeit geprägt wurde. Erst im 20. Jahrhundert erkannte man, dass das nicht nur lokal, sondern aufgrund der Bevölkerungsexplosion vor allem global zu einer immer größeren Herausforderung wird. Der Mensch wird zum Problem für das gesamte irdische Ökosystem und gefährdet letztlich damit auch die eigene Existenz.

Aus christlicher Sicht heißt das vor allem, die „Bewahrung der Schöpfung“ zu verstärken. Für den in der Tradition der Wanderbewegungen vor 100 Jahren entstandenen ND war dieses Ziel mit Naturschutz und einfachem Lebensstil verbunden. Nachdem mit Hilfe von Technik die Weltbevölkerung seitdem auf über 7 Milliarden angestiegen ist, reicht heute ein Zurück zur Natur aber schon lange nicht mehr. Ohne die Potentiale von Technik und Wirtschaft ist für so viele Menschen keine nachhaltige Ernährung und Lebensqualität mehr zu erreichen. Die einzige Chance kann daher nur sein, Technik und Lebensstil so umzustellen, dass deren Folgen für das Ökosystem beherrschbar bleiben.

Wir brauchen dazu aber einen Perspektivenwechsel, müssen die eigene Rolle reflektieren und über-denken, um sie geeignet ändern zu können. Ein probates Mittel dazu ist Bildung. Der ND ist auch ein Bildungsverband. Im ND setzen wir uns für nachhaltiges Wirtschaften ein. In Arbeitskreisen entwickeln wir Ideen und Projekte. Wir organisieren Veranstaltungen, um zu diskutieren, wie wir im Kleinen nachhaltig leben und wirtschaften können. Der jährliche bundesweiten Kongress versuchen wir unter anderem klimaneutral zu sein und machen unzureichende Nachhaltigkeit immer wieder zum Thema.

In unserem Grundsatzprogramm betonen wir, dass wir „einfach“ leben wollen. In jeder Generation können dazu ganz neue Herausforderungen nötig werden. Wenn vor 100 Jahren damit mehr ein Zurück zur Natur und Schutz der Natur gemeint war, bedeutet einfach leben heute, klimaneutral zu leben und die Biodiversität zu erhalten. Diese Art des Verzichts ist nicht immer einfach und benötigt oft auch den gezielten Einsatz von Wissenschaft und Technik, um unseren „Naturverbrauch“ zu begrenzen.

Wir müssen uns immer wieder fragen, was wir für eine nachhaltige Gesellschaft tun können. In unserem Magazin Hirschberg haben wir das Thema Nachhaltiges Deutschland aus verschiedenen Perspektiven dargestellt (Ausgabe 1-2020).