Armageddon aus dem Bestseller-Regal

Wie die Johannesoffenbarung über evangelikale Fiktion in die US-Außenpolitik gelangte

Ich schreibe diesen Text Mitte März 2026. Seit gut zwei Wochen führen die USA Krieg gegen den Iran. Bis dieser Hirschberg im Briefkasten liegt, wird sich  ieles verändert haben – vielleicht so grundlegend, dass manches hier schon überholt ist. Die theologische Frage, um die es geht, wird sich allerdings nicht erledigt haben. Im Gegenteil.

Seit Kriegsbeginn hat die Military Religious Freedom Foundation, eine Organisation, die sich für religiöse  Neutralität im US-Militär einsetzt, über200 Beschwerden von Militärangehörigen aus allen Teilstreitkräften erhalten. Der Tenor ist überall derselbe:  Kommandeure stellen den Irankrieg als gottgewolltes Ereignis dar, zitieren die Offenbarung des Johannes, sprechen von „Armageddon“ und der  unmittelbar bevorstehenden Wiederkehr Christi. Ein Unteroffizier berichtet, sein Kommandeur habe bei einem Einsatzbriefing erklärt, Trump sei „von  Jesus gesalbt worden, um im Iran das Signalfeuer für Armageddon zu entzünden“. Der Gründer der Beschwerdeorganisation fasst zusammen, die  Kommandeure seien regelrecht begeistert davon, „wie blutig das alles werden muss“, um der fundamentalistisch-christlichen Endzeiterwartung zu  entsprechen.

Verteidigungsminister Pete Hegseth hat diese Atmosphäre nicht allein geschaffen, aber er hat sie ermöglicht. Er hält regelmäßig christliche Gebetsveranstaltungen im Pentagon ab und hat einen Pastor eingeladen, der eine christliche Theokratie
befürwortet.

Was steckt dahinter?
Hinter dieser Rhetorik steht eine theologische Strömung, die in Europa kaum bekannt ist, in den USA aber seit Jahrzehnten das Glaubensleben von  Millionen Menschen prägt: der Dispensationalismus. Diese im 19. Jahrhundert in Großbritannien entstandene Lesetradition versteht die Offenbarung des  Johannes als wörtlichen Fahrplan für das Weltende: Ein großer Nahostkrieg löst die endzeitliche Abfolge aus – Entrückung der Gläubigen, Aufstieg des Antichristen, Endschlacht bei „Armageddon“ (Offb 16,16 – die einzige Stelle, an der das Wort in der gesamten Bibel vorkommt), Wiederkehr Christi.

Populär wurde diese Theologie nicht über Fachtheologie, sondern unter anderem durch die Romanserie „Left Behind“ von Tim LaHaye und Jerry Jenkins (1995). Sie verfolgte ein doppeltes Ziel: Einerseits sollte der Roman Evangelikale „für den Kulturkampf mobilisieren“ und ihnen zeigen, wie ihr Glaube sie in Konflikt mit der Welt um sie herum bringe […].

vollständiger Artikel: Hirschberg-Ausgabe 2-2026

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