Kongress

Vergessen? Spurensuche in der Stadt

Was am Vormittag im St. Benno-Gymnasium angesprochen worden ist, vertiefen wir am Nachmittag mit 16 Erkundungen.
Dabei habt ihr die Wahl zwischen Gesprächen mit Zeitzeugen, ausgewählten Museumsführungen und thematischen Stadtspaziergängen. Lernt die höchst unterschiedlichen Perspektiven Dresdens kennen.

Alle Erkundungen sind für maximal 20 Personen ausgelegt. Die Verteilung läuft nach „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Das Anmeldungeverfahren ist abgelaufe. Restplätze können im Tagungsbüro vergeben werden. Der aktuelle Stand ist einsehbar unter: doodle.

Organisatorisches: Die Startzeit ist 15:00 Uhr (bis auf EK Nr. 7 „Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein“, 14:00 Uhr). Los geht es direkt am Treffpunkt. Wegskizzen vom St. Benno-Gymnasium zum jeweiligen Treffpunkt liegen beim Tagungsbüro aus.

Erinnerungsdialoge – Zeitzeugengespräche

15:00 Uhr

     

EK1: AUGUST DER STARKE UND ELBFLORENZ

mit Christoph Pötzsch, Leiter des Katholischen Büros i.R.

Dresden ist unvorstellbar ohne den Blick über die Elbe auf die Altstadt. Oft gemalt und fotografiert ist das barocke Dresden
zerstört und heute wieder aufgebaut worden. Christoph Pötzsch, ein exzellenter Kenner und der ehemalige Leiter des kath. Büros, erläutert das barocke Dresden an der katholischen Hofkirche und dem Umfeld.

Treffpunkt: Hofkirche, Schloßstraße 24, 01067 Dresden

15:00 Uhr

 

EK2: DER HEIDEFRIEDHOF ERZÄHLT

mit Kathrin Krahl, Soziologin
In Kooperation mit Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen e.V.

Gleichsetzung, Monumentalität und Geschichtsvergessenheit– die Friedhofsführung veranschaulicht das umkämpfte Erinnern zwischen Nationalsozialismus, DDR und Gegenwart auf dem Heidefriedhof Dresden.

Treffpunkt: Moritzburger Landstraße 299, 01129 Dresden

15:00 Uhr

 

EK 3: BÜRGERRECHTE CONTRA SED-REGIME – WAS BLEIBT?

mit Siegfried Reiprich, Geschäftsführer Stiftung Sächsischer Gedenkstätten

Wegen kritischer Meinungsäußerungen geriet der 1955 in Jena geborene Siegfried Reiprich ins Visier der Staatssicherheit. Er wurde aus der FDJ geworfen und vom Studium ausgeschlossen. Der Bürgerrechtler wurde aus der DDR ausgebürgert, hielt aber Kontakte zur Opposition. Nach der friedlichen Revolution thematisierte er die Folgeschäden der SED-Diktatur. Heute leitet er die Stiftung Sächsischer Gedenkstätten – zuvor war er Vizedirektor der Gedenkstätte Hohenschönhausen in Berlin.

Treffpunkt: St. Benno-Gymnasium, Raum 1.17

15:00 Uhr

 

EK 4: DER 13. FEBRUAR UND KONTROVERSES ERINNERN

mit Dr. Joachim Klose, Leiter der AG 13. Februar und Landesrepräsentant der Konrad Adenauer Stiftung (KAS)

Diese Erkundung vertieft das Vormittagsgespräch. Seit 1946 haben sich die Formen des Erinnerns mehrfach verändert hin zu einem Gedenken an alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft und dem Aufruf zu Versöhnung über nationale Grenzen hinweg. Dagegen agieren Rechtsextremisten mit geschichtsrevisionistischer Polemik. Die Zivilgesellschaft hält dagegen und organisiert sich in der AG 13. Februar.

Treffpunkt: St. Benno-Gymnasium, Raum 1.18

15:00 Uhr

 

EK 5: HERBST 1989 – FRIEDLICHE REVOLUTION

mit Dr.-Ing. Herbert Wagner, Mitorganisator der Montagsdemonstrationen u. späterer Oberbürgermeister von Dresden

Fast dreißig Jahre ist die friedliche Revolution her. Wie konnte ein hochgerüstetes Unterdrückungssystem wie der SED-Staat innerhalb weniger Monate untergehen? Welchen Mut brauchte es, für Freiheit auf die Straße zu gehen? Herbert Wagner, gehörte zu der „Gruppe der 20", die erstmals in der DDR einen friedlichen Dialog zwischen Demonstranten und Staatsmacht vermittelten. Zudem ist er Vorsitzender des Vereins „Bautzner Straße“ – der Gedenkstätte an das Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit in Dresden.

Treffpunkt: Gedenkstätte Bautzner Straße, Bautzner Straße 112a, 01099 Dresden

15:00 Uhr

 

EK 6: BUNTE KIRCHE NEUSTADT – OFFEN FÜR BEGEGNUNG

mit Antonia Kirtzel, Gemeindereferentin u. gebürtige Dresdnerin

2013 entstand in einem ehemaligen Copyshop die „Bunte Kirche Neustadt“. Ein Ladenlokal mitten im Szeneviertel mit dem anspruchsvollen Ziel „im Dialog mit religionsfreien und kirchenfernen Menschen Glauben neu zu denken und zu leben“. Die bunte Kirche startete als evangelische Basisinitiative und ist heute eine Einrichtung der katholischen Kirche in der Trägerschaft des Bistums Dresden-Meißen.

Treffpunkt: Bunte Kirche Neustadt, Bischofsweg 56, 01099 Dresden

 

Museumsführungen

14:00 Uhr

     

EK 7: GEDENKSTÄTTE / GEDENKWEG PIRNA-SONNENSTEIN

Erst 2000 wurde der Erinnerungsort auf Initiative einer Bürgerinitiative und der Angehörigen der Ermordeten eröffnet. Fast 14.000 psychisch kranke und geistig behinderte Menschen wurden in der Tötungsanstalt im Zuge der Euthanasie-Aktion
ermordet. Auslöser des Erinnerns ist eine Wanderausstellung „Aktion T4 – Die Tötung unwerten Lebens“ durch die lutherische Kirchengemeinde Pirna und eines Westberliner Historikers im September 1989 (!) gewesen.

Treffpunkt: Benno-Gymnasium, Haupteingang, Busfahrt von der Schule aus

15:00 Uhr

 

EK 8: MILITÄRMUSEUM

100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, einer großen europäischen Katastrophe, stellt sich weiter die Frage nach Frieden und Krieg. Das Arsenal der Dresdener Garnison diente als sächsisches Armeemuseum, als NS-Heeresmuseum, als Armeemuseum der NVA und firmiert nun als „Militärhistorisches Museum der Bundeswehr“. Gegen den Eindruck einer unversehrten Tradition sprechen der Glasneubau von Daniel Liebeskind und eine Konzeption, die nach den Ursachen von Krieg und Gewalt fragt.

Treffpunkt: Militärmuseum, Olbrichtplatz 2, 01099 Dresden

15:00 Uhr

 

EK 9: HYGIENEMUSEUM

Vor mehr als hundert Jahren gegründet, versteht sich das Deutsche Hygienemuseum mit der zentralen Ausstellung „Abenteuer Mensch“ als Ort, der „die kulturellen, sozialen und wissenschaftlichen Umwälzungen unserer Gegenwart zur Diskussion stellt“. Damit thematisiert es auch die eigene Verstrickung in die NS-Rassenideologie. Zu DDR-Zeiten avancierte das Museum zum Zentrum der Gesundheitsaufklärung.

Treffpunkt: Hygienemuseum, Haupteingang, Lingnerplatz 1, 01069 Dresden

15:00 Uhr

 

EK 10: BUCHMUSEUM

Das kleine, aber feine Museum in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden dokumentiert die Vielfältigkeit der schriftlichen Überlieferung. So ist ein Skizzenbuch Alfred Dürers ebenso zu sehen wie Vorlesungsmanuskripte von Martin Luther. Der größte Schatz des Museums ist aber interkontinental: Einer von drei einzigartigen Maya-Codex weltweit.

Treffpunkt: Buchmuseum, Zellescher Weg 18, 01069 Dresden

15:00 Uhr

 

EK 11: AUSSTELLUNG ZUM DEUTSCH-POLNISCHEN VERSÖHNUNGSPROZESS

mit Dr. Jörg Lüer, Maximilian-Kolbe-Stiftung
In Kooperation mit der Maximilian-Kolbe-Stiftung und der Stadt Dresden.

Wie steht es um den Versöhnungsprozess mit unserem östlichen Nachbarn Polen? Dies reflektiert die mobile Ausstellung der Maximilian-Kolbe-Stiftung auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche. Anlass und Ausgangspunkt ist der Briefwechsel der polnischen und der deutschen Bischöfe 1963 gewesen.

Treffpunkt: Neumarkt vor der Frauenkirche, Neumarkt, 01067 Dresden

15:00 Uhr

 

EK 12: TRAGIK UND HOFFNUNG EINER EUROPÄISCHEN STADT

Die Ausstellung Dresden 1945 zeigt in einem 3.000 qm großem Panorama den Zustand nach den Bombardements. Aber sie bleibt dabei nicht stehen. Stehlen verweisen auf gleichfalls zerstörte Städte wie Coventry, Rotterdam, Stalingrad oder Warschau und verdeutlichen damit die Zusammenhänge der kriegerischen Geschichte Europas.

Treffpunkt: Panometer, Gasanstaltstraße 8b, 01237 Dresden

 

Stadtführungen

15:00 Uhr

     

EK 13: NEUSTADT

Die Neustadt liegt am rechten Ufer der Elbe. Manche sagen: Im Schatten der Residenz, was aber dem pulsierenden  Leben überhaupt nicht gerecht wird. Nach einer Brandkatastrophe 1685 wurde die „Neue Stadt bey Dresden“ planvoll im barocken Stil aufgebaut. Heute finden wir dort Kunsthandwerkerpassagen. In der Äußeren Neustadt findet sich ein geschlossenes Gründerzeitviertel mit urwüchsigem Flair. Übrigens: Wer sich nur in der Altstadt verlustiert, hat Dresden nur halb wahrgenommen.

Treffpunkt: Brunnen am Albertplatz, 01097 Dresden

15:00 Uhr

 

EK 14: SEMPEROPER

Neben der Frauenkirche ist die Semperoper ganz sicher das zweitbekannteste Wahrzeichen Dresdens. 1838 bekam Gottfried Semper den Auftrag, die Sächsische Hof- und Staatsoper zu bauen, die aber 1869 abbrannte. Sein Sohn Manfred schuf dann den zweiten Bau im Stil der italienischen Renaissance. Nach der Kriegskatastrophe entschieden die Verantwortlichen schnell, die Fassade herzurichten und nach längerer Debatte dem zweiten Original entsprechend die dritte Semperoper zu restaurieren. Eine Führung durch glanzvolle Höhepunkte und furchtbare Katastrophen.

Treffpunkt: Semperoper, Haupteingang,Theaterplatz 2, 01067 Dresden

15:00 Uhr

 

EK 15: ARCHITEKTURGESCHICHTE

Ein Streifzug durch die Haupteinkaufstraße. 1851 wurde die Prager Straße vom Böhmischen Bahnhof, dem heutigen Hauptbahnhof, angelegt. Säumten zuerst Villen mit großen Gärten die Straßen, war die Bebauung zur Jahrhundertwende bereits durchgehend. Waren- und Kaffeehäuser siedelten sich an. Nach der Zerstörung wurden Hotelbauten und Kaufhäuser errichtet. Die Dimensionen erkennen die Flaneure, auch wenn nach der Wende Neubauten an ihre Stelle getreten sind.

Treffpunkt: Reiterdenkmal auf dem Theaterplatz, 01069 Dresden

15:00 Uhr

 

EK 16: DIE RUSSISCHE SEITE DRESDENS

Schon zu Zeiten der DDR galt Dresden als ein sowjetischer Kristallisationspunkt. Oft genanntes Beispiel ist die Stationierung von Putin als Geheimdienstoffizier Mitte der achtziger Jahre. Der Blick verdeckt die vielfältigen deutsch-russischen Kulturbeziehungen von orthodoxen Gemeinden über Literatur bis hin zum Jugendaustausch. Wir spüren den deutsch-russischen Beziehungen nach.

Treffpunkt: Reiterdenkmal auf dem Theaterplatz, 01069 Dresden