In Speyer

Bbr. Adolf Leisen schreibt aus Speyer:

Dr. Uta und Dr. Jürgen Höfling, beide Jahrgang 1937, leisten seit Jahren eine vorbildliche Arbeit für die Flüchtlinge in Speyer. Schon als sie noch ihre Arzt-Praxis führten, halfen sie den Flüchtlingen, die wegen der Balkankriege in den 90er Jahren nach Deutschland geflohen waren. Die Nöte der Menschen, die seit dem vergangenen Jahr verstärkt in Speyer eine Unterkunft fanden, waren ihnen deswegen nicht unbekannt. In unmittelbarer Nähe ihrer Wohnung wurde ein ehemaliger Kindergarten als „Haus für Flüchtlinge“ eingerichtet für 50 Personen, zumeist Familien mit Kindern. Es sind Menschen vor allem aus Syrien, aus dem Irak, aus Somalia und auch vom Balkan; geleitet wird dieses Haus vom Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche der Pfalz. Uta und Jürgen Höfling unterstützten die Leiterin, wo es auch immer notwendig war: bei Behördengängen, etwa zum Job-Center, den städtischen, Landes- oder Bundesbehörden, zu den Schulen, oder zu Ärzten usw. Sie haben sich dabei viele Spezialkenntnisse erworben, sammelten Spendengelder, Kleider und Haushaltsgegenstände; sie stellten selbst Wohnraum zur Verfügung bzw. unterstützten Geflüchtete bei der Wohnungssuche. Zeitweise war ihre Garage vollgestellt mit Möbeln, die sie zusammengetragen hatten und mit denen sie bei der Einrichtung helfen konnten. Besonders erwähnenswert ist, dass sie Geflüchtete bewegten, einander zu helfen, also untereinander Solidarität zu entwickeln.

Um das Ehepaar Höfling herum entstand sehr bald ein recht großes Netzwerk der Hilfe: ehemalige Lehrerinnen und Lehrer, Frauen und Männer aus anderen Berufen, NDer und allgemein Speyerer Bürger unterstützen die Kinder und Heranwachsenden beim Lernen, dringend notwendig für die schulische Ausbildung und für die Integration in unsere Gesellschaft. Immer wieder berichten die Helfer, wie eifrig die Kinder und Jugendlichen beim Lernen sind. Andere im Netzwerk stehen bei notwendigen Fahrten z.B. nach Frankfurt zur Verfügung, wenn um Familienzusammenführung geht. Uta und Jürgen Höfling bilden das Zentrum dieses Netzwerkes.

Trifft man sie einmal zufällig und fragt, woher sie kommen, was sie gerade machen, dann erhält man mitunter zur Antwort: Wir waren gerade mit zwei oder drei Geflüchteten in einem Konzert oder in einer Ausstellung oder wir haben einen Ausflug in eine Nachbarstadt gemacht. Es geht den beiden auch darum, unsere „Gäste“ in unsere Kultur einzuführen.

Übrigens: In Speyer gibt es wie überall in Deutschland Menschen, die den Flüchtlingen und den damit verbundenen Problemen sehr kritisch bis massiv ablehnend gegenüberstehen. Wenn man dann von den eigenen Erfahrungen und dem Engagement von Uta und Jürgen Höfling erzählt, werden diese gewöhnlich vorsichtiger und zurückhaltender.