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Zur Geschichte des Bundes Neudeutschland

Sie möchten wissen, woher der ND kommt?

Da kam zusammen, was nicht zusammen gehören wollte: Die katholische Kirche strebte in der jungen Weimarer Republik einen Jugendverband für Gymnasiasten an, selbstverständlich nach ihren Vorstellungen von Erziehung, Leitung, Autorität. Die Jugendlichen atmeten aber den Zeitgeist: In der „Jugendbewegung“ begehrten sie gegen alte Autoritäten auf, tauschten die Uniformen gegen die bequeme „Kluft“, brachen aus geschlossenen Schul-„Anstalten“ auf in die „freie“ Natur, und: sie setzten nicht länger auf bewährte lehrende, militärische oder geistliche Herren, sie wählten ihre Leiter aus den eigenen, jugendlichen Reihen.

 

„Bund Neudeutschland“

Dieser ziemlich „freie“ Geist und das Gründungsjahr erklären schon den Namen, den wir lange Zeit getragen haben: Der „Bund Neudeutschland“ wollte kein streng organisierter Verband sein, sondern der Zusammenschluss zu einer Gemeinschaft in einem Geist, eine Bewegung, eben ein „Bund“. Und er wollte 1919, ein Jahr nach den schockierenden Erfahrungen des ersten „modernen“ Krieges, mithelfen, Deutschland aus diesem Geist heraus neu zu gestalten. Mit den ganz rechten oder ganz linken, totalitären Ideen eines „neuen Deutschland“ verbindet den „Bund“ nichts. Aus Trotz oder weil man ein Erbe nicht einfach zum Müll der Geschichte wirft, blieben wir beim alten Namen bis ins Jahr 2016: da benennen wir, nach zweijähriger Diskussion, den alten Bund um.

 

Im Geist der Zeit

Die Verbindung von Kirche und Zeitgeist gelang nach der Gründung gut. Vielleicht weil der „Bund“ in der Obhut der Jesuiten gegründet wurde, die im Zeitgeist nicht nur die Bedrohung sahen, sondern auch die Chancen. Vielleicht auch, weil Glaubensvorstellungen vom „Gottesreich“ Christi sich mit den romantischen Vorstellungen der Jugendbewegung von einem idealisierten mittelalterlichen Reich verbinden ließen: in Knappen- und Ritterspielen auf Burgen überall in Deutschland schwärmten die Jungen von einer Vergangenheit, die eine noch bessere Zukunft hervorbringen sollte. Und vielleicht auch, weil die Jungen, die sich nicht nur ihre eigenen jugendlichen Gruppenleiter, sondern auch ihre geistlichen Begleiter wählten, dafür Priester fanden, die in der Mehrzahl junge Ideale teilten und einfach alles mit ihnen besprachen. Kennzeichen des „Bundes“ waren und sind Demokratie und Gesprächskreise, in denen über Glaubens- und Weltdinge offen gesprochen wird.

 

Mit Jungen und Männern, mit Mädchen und Frauen

Jedenfalls hatte der „ND“ schon sehr bald mehr als zwanzigtausend Mitglieder, obwohl die Mädchen – anfangs selbstverständlich dabei – auf kirchlichen Druck hin ausgeschlossen wurden. Sie gründeten ihren eigenen Bund: Heliand. Nur ein halbes Jahrhundert später bewies sich die wirklich beeindruckende Dauerhaftigkeit kirchlicher Ratschlüsse, als die ND-Jungengemeinschaft sich mit dem Heliand-Mädchenkreis zur „Katholischen Studierenden Jugend“ (KSJ) zusammenschloss und aus dem ND-„Männerring“, der aus dem Schülerverband regelrecht gewachsen war, die „Gemeinschaft katholischer Männer und Frauen“ (KMF) wurde. Auch das zeigt den Einfluss der Zeit auf den ND. Für einige Jahrzehnte bestand noch eine dritte Gemeinschaft unter dem Dach des ND: Studentinnen und Studenten gründeten den „ND-Hochschulring“, der heute in die KSJ integriert ist. 2013 wurde aus der KSJ, bis dahin eine Arbeitsgemeinschaft aus „ND-Jungen“ und „Heliand-Mädchen“, ein eigener unabhängiger Verband, die KMF blieb unter dem Dach des ND, sie wurde der „ND“. Ein Ende dieser Erneuerungen und Anpassungen ist nicht abzusehen. Der Bund lebt – in der Zeit.

 

Grundsätzlich immer wieder geändert

Worum es im Bund und worum es dem Bund geht, das wurde zum ersten Mal 1923 von den NDern auf Burg Hirschberg beschlossen: das „Hirschberg-Programm“. Es war jugendbewegt und in einem aufbrechenden Sinn christlich: Die Jungen verpflichteten sich zu einer „Neuen Lebensgestaltung in Christus“ – als Anspruch an sich selbst und als Antrieb für ihr Engagement in allen Lebensbereichen. Da steckte schon drin, was den ND bis heute ausmacht: das Maßnehmen am Evangelium und die Offenheit für Zeit, Menschen und Umstände. Schon deshalb konnte das erste Programm kein ehernes Gesetz auf immer und ewig bleiben, weil sich die Zeiten eben ändern und weil auch das Evangelium in jeder Zeit neu verstanden und anders buchstabiert werden muss. Also haben wir das „Hirschberg-Programm“ in 90 Jahren mehrmals neu gefasst, erstmals reformiert 1948, weil Nationalsozialismus und Krieg die Ritter-Romantik erledigt hatten und weil allen klar war, dass die junge Demokratie neue und die Geschichte reflektierende Orientierungen brauchte. Die jüngste Fassung wurde 1994 in Würzburg verabschiedet. Im Wechsel ist der Kern geblieben: „Neue Lebensgestaltung in Christus“ – und ein waches Auge für die Zeit und ihre Herausforderungen.

 

Der ND und die NS-Zeit

Vielleicht geht es Ihnen wie uns um Klarheit: Was war mit dem ND von 1933 bis 1945? Dazu wurden historische Untersuchungen publiziert, und immer noch erforschen wir die Lebensgeschichten von NDern in dieser Zeit.

Nach zwei Seiten hin sind Grenzen zu ziehen: Der ND war keine Widerstandsorganisation. Und: Der ND war dem Nationalsozialismus weder willfährig noch erlegen. Zunächst, ab 1933, machte der ND fast weiter wie vorher, geschützt durch das Konkordat zwischen Vatikan und Deutschem Reich. Dazu gehörten auch häufiger Auseinandersetzungen der katholischen ND-Gymnasiasten mit den HJ-Jungen – nicht so sehr aus politischen Gründen, sondern aus Konkurrenz und jugendlicher gegenseitiger Abneigung. Dann untersagte das Regime dem Bund das öffentliche Auftreten und beschränkte ihn auf innerkirchliche, religiöse Aktivitäten. 1939 wurde der ND ganz verboten. Es gab NDer, die wechselten froh und aus Überzeugung zur HJ und anderen NS-Organisationen. Die meisten NDer wurden – aus Pflichtgefühl und Patriotismus, wie sie auch die Kirche forderte – Soldaten in Hitlers verbrecherischem Krieg. Es gab bis 1945 aber auch zahlreiche ND-Gruppen im Untergrund und NDer im Kriegseinsatz, die miteinander in Verbindung blieben und sich und anderen halfen. Aus dem ND haben sich nicht wenige Einzelne am aktiven Widerstand gegen die NS-Herrschaft beteiligt. Einige von ihnen haben das mit dem Leben bezahlt, hingerichtet durch die Unrechtsjustiz, gestorben oder getötet im KZ: Alfred Delp, Willi Graf, Hermann Lange, Bernhard Wensch und andere.

 

Mehr Geschichte?

Wenn Sie mehr über die Vergangenheit des Bund Neudeutschland wissen wollen, dann finden Sie hier einen genaueren und geordneten Überblick.

Oder Sie besorgen sich oder fragen uns nach entsprechender Literatur. Eine ausführliche Darstellung enthält das Buch Konfession und Lebenswelt von Rolf Eilers. Es gibt noch mehr Bücher zur ND-Geschichte.

 

Aber bitte, es gibt auch die ND-Gegenwart.