Synode

Für einen synodalen Prozess

Der Dialogprozess wird im Herbst 2015 enden. Das kann aber nicht das Ende des Dialogs zwischen den verschiedenen Gruppen in der Kirche sein, sondern darf letztlich nur der Auftakt zu einem weiterführenden, verbindlicheren, partizipativen Diskurs sein, der die zukünftige Kirche in Deutschland prägen wird. Aus drei Gründen plädieren wir dafür, diesen Diskurs nicht auf einer Synode, sondern in Form eines offeneren, aber gleichwohl verbindlichen synodalen Prozesses zu führen.

Der erste Grund betrifft die Möglichkeit zur Partizipation: Ein unvermeidliches Thema wird auch weiterhin der Skandal um sexualisierte Gewalt sein, dessen Aufdeckung der Anstoß zum Dialogprozess war. Darum muss der zukünftige Diskurs die Frage nach Macht und Ohnmacht in der Kirche stellen, und darum darf dieser Diskurs nicht ohne diejenigen geführt werden, deren Stimmen bisher in der Kirche marginalisiert wurden. Gerade in der Aufarbeitung von Machtmissbrauch und Intransparenz muss mit ihnen, nicht über sie gesprochen werden. Der notwendige Aufbruch in der Kirche darf keine innerkirchliche Angelegenheit bleiben, der nur diejenigen betrifft, die ohnehin in kirchliche Strukturen eingebunden sind, weil dies ein Um-sich-selbst-Kreisen bedeuten würde, das die Kirche von ihrer Sendung für die Welt von heute entfernt.

Daher plädieren wir für einen Prozess von unten her, an dem sich mehr Menschen beteiligen können, ohne dafür als Synodale bestellt werden zu müssen. Dieser Prozess sollte nach dem Vorbild des Konziliaren Prozesses  ablaufen und seine Stärke in lokalen und regionalen Versammlungen haben, von denen dann wiederum Menschen dazu delegiert werden, in einer Abschlussveranstaltung die Ergebnisse der regionalen Versammlungen zusammenzubringen.

Der zweite Grund ist ein kirchenrechtlicher: Bei Abhaltung einer landesweiten Synode muss man sich nach geltender Rechtsauslegung in dem Rechtsrahmen bewegen, der für Diözesansynoden vorgesehen ist. Das impliziert, dass letztlich alle Entscheidungsgewalt beim Bischof liegt, womit man Gefahr läuft, Machtstrukturen zu reproduzieren, die in der Folge des Dialogprozesses selbst zum Thema gemacht werden müssten.

Der dritte Grund ist inhaltlicher Natur: Zu den Themen, die immer wieder genannt werden, wenn die Rede ist von notwendigen Veränderungen in der Kirche, sind schon von der Würzburger Synode Beschlüsse gefasst worden, die noch immer nicht vollständig rezipiert worden sind. Einer weiteren Synode müsste vorangehen, dass die Beschlüsse der Würzburger Synode nochmals auf die innerkirchliche Agenda gesetzt werden, will man diese Synode nicht im Nachhinein delegitimieren.

Zudem würde die Einberufung einer Synode bedeuten, dass eine Steuerungsgruppe die inhaltliche Vorarbeit leisten müsste und die Themen setzen würde. Wir haben die Hoffnung, dass mit einem synodalen Prozess eine breitere Beteiligung ermöglicht wird und die inhaltlichen Schwerpunkte vom Gottesvolk gesetzt werden.

Der Autor

Wolfgang Ehrenlechner ist BDKJ-Bundesvorsitzender.

Erstveröffentlichung in
Hirschberg 02/2015, S. 122.

Stellungnahmen zum Synoden-Vorschlag

„Wir plädieren für einen Prozess von unten her, an dem sich mehr Menschen beteiligen können.“


Wolfgang Ehrenlechner