Synode

Grenzen und Möglichkeiten einer „Gemeinsamen Synode“ nach dem CIC von 1983

Aus dem Kirchenrecht - Thomas Schüller

1. Aktueller Anlass

Zum Abschluss des vierten Treffens der Dialoginitiative der Deutschen Bischofskonferenz 2014 in Magdeburg drückten viele Teilnehmer ihre Hoffnung aus, dass die Beratungen in verbindliche Beschlüsse einmünden mögen. Der Churer Pastoraltheologe und Teilnehmer an diesem Dialogprozess, Manfred Belok, stellt fest, dass in Magdeburg „von vielen Seiten der Wunsch nach einer neuen ‚Gemeinsamen Synode der Bistümer in Deutschland´ laut“ wurde: „Die Zeit scheint reif dafür. Denn dies könnte – anders als die bisherigen Gesprächs- und Zukunftsforen in einzelnen Bistümern – in einem zeitlich begrenzten Beratungszeitraum inhaltliche Beschlüsse fassen, die es dann verbindlich umzusetzen gilt – wider einer Unkultur der Folgenlosigkeit.“[2] Innerhalb des ZdK besteht jedoch offenkundig noch kein einheitliches Meinungsbild, ob eine solche Synode politisch opportun ist, was die kontroversen Diskussionen auf der jüngsten Vollversammlung des ZdK am 21./22.11.2014 in Bonn zeigten. Nur mit Mühe konnte ein Antrag des katholischen Verbandes Bund Neudeutschland – Gemeinschaft Katholischer Männer und Frauen [3] nach einer Gemeinsamen Synode mit der Verständigung auf eine Arbeitsgruppe, die das Thema bearbeitet, abgebogen werden. Im Folgenden geht es um die Darstellung der geltenden kirchenrechtlichen Normen zum sog. Partikularkonzil [4], das – sofern es sich auf die Beratungen der Teilkirchen einer Bischofskonferenz bezieht, die auf dem Gebiet einer Nation liegt – auch Nationalkonzil [5] bzw. Plenarkonzil genannt wird. Im Unterschied zur Würzburger Synode [6], deren Statut von der Bischofskongregation eigens genehmigt werden musste [7], da es mit dem zu diesem Zeitpunkt geltenden Recht des CIC von 1917 [8] nicht in Einklang zu bringen war, gibt es also im geltenden Kirchenrecht Normen, die auf ihre Kompatibilität mit den Forderungen aus dem Kreis engagierter katholischer Christen nach einer neuen Gemeinsamen Synode abgeglichen werden können.

2. Der kirchenrechtliche Befund im CIC von 1983 zum Plenarkonzil

Konzilien und Synoden spielten in der Geschichte der Kirche seit der Frühzeit, insbesondere jedoch bei der Entfaltung der kanonischen Gesetzgebung eine wichtige Rolle.[9] So ist es kaum verwunderlich, wenn das II. Vaticanum wünscht, „dass die ehrwürdigen Einrichtungen der Synoden und Konzilien mit neuer Kraft erblühen, damit für das Wachstum des Glaubens und die Bewahrung der Disziplin den verschiedenen Kirchen je nach den Zeitumständen geeigneter und wirksamer gesorgt wird“.[10] Der Codex von 1983 kennt nunmehr drei Varianten des Konzils, das ökumenische, welches die Gesamtkirche betrifft und bei dem die Bischöfe aus der ganzen Welt unter der Autorität des Papstes versammelt sind[11], sowie zwei Arten von Partikularkonzilien, nämlich das s.g. Plenarkonzil, das alle Teilkirchen auf dem Gebiet einer Bischofskonferenz betrifft, und das Provinzialkonzil, welches sich lediglich auf die Teilkirchen auf dem Gebiet einer Kirchenprovinz [12] erstreckt. Streng von den Partikularkonzilien zu unterscheiden ist indes die Diözesansynode. Während den Partikularkonzilien wirkliche Leitungsgewalt zukommt, so ist die Diözesansynode ein reines Beratungsgremium, welches dem Diözesanbischof „adiutricem operam“ (Hilfsdienste) bei der Ausübung seines Hirtenamtes leistet [13]. Gesetzgeber auf der Diözesansynode ist jedoch ausdrücklich allein der Diözesanbischof.[14]

2.1 Einberufung

Ein Plenarkonzil soll abgehalten werden so oft, wie es die Bischofskonferenz für nötig oder nützlich erachtet. Diese Regelung, die die Initiative in die Hand der Bischofskonferenz legt, trägt nicht nur dem vom II. Vaticanum ausdrücklich artikulierten Subsidiaritätsprinzip [15] Rechnung, sondern ist zudem auch inhaltlich sinnvoll wie nachvollziehbar, da die Bischöfe selbst zumindest diejenigen sein sollten, die über Nützlichkeit und Erfordernis eines Konzils mit Blick auf ihre Diözesen Kenntnis haben. Wird von der Bischofskonferenz ein positiver Beschluss gefällt, ist die Genehmigung des Apostolischen Stuhles einzuholen [16], bevor das Konzil einberufen werden kann. Die Zuständigkeit hierfür liegt gemäß Art. 82 PB [17] bei der Kongregation für die Bischöfe. In c. 441 CIC werden die Zuständigkeiten der Bischofskonferenz hinsichtlich des Plenarkonzils umschrieben, sofern der Apostolische Stuhl die Zustimmung zu dessen Abhaltung erteilt hat. Ihr kommt es zu, das Plenarkonzil einzuberufen (c. 441, 1° CIC), den Ort der Abhaltung festzulegen, der jedoch auf dem Gebiet der Bischofskonferenz liegen muss (c. 411, 2° CIC), ebenfalls wählt sie den Vorsitzenden, der jedoch nicht der Vorsitzende der Bischofskonferenz sein muss. Gemäß c. 441, 3° CIC muss ein Diözesanbischof zum Vorsitzenden gewählt werden, d.h. Bischofskoadjutoren, Auxiliar- und Titularbischöfe sind ausgeschlossen. Ferner gilt, dass die Wahl nicht konstitutiv ist, sondern der Gewählte wiederum der Bestätigung durch die Bischofskongregation bedarf, bevor er sein Amt ausüben kann (vgl. c. 179 CIC). Die Bischofskonferenz bestimmt weiterhin die Geschäftsordnung, die Beratungsgegenstände, Beginn und Dauer der Plenarkonzils; ferner hat sie das Recht, das Konzil zu verlegen oder zu vertagen (c. 441, 4° CIC).

2.2 Kompetenz

Gemäß c. 445 CIC besitzt das Plenarkonzil Leitungsgewalt (potestas regiminis), vor allem auch Gesetzgebungsgewalt (potestas legislativa), letztere jedoch stets unter Vorbehalt des allgemeinen Rechts, d.h. der vom universalkirchlichen Gesetzgeber erlassenen Gesetze und Vorschriften (ius commune). Das Plenarkonzil kann daher, unter Eingehen auf die pastoralen Erfordernisse des Gottesvolkes im Gebiet der Bischofskonferenz, solche Verfügungen treffen, die dem Wachstum des Glaubens, der Leitung des gemeinsamen pastoralen Wirkens, der Ordnung der Sitten sowie der Bewahrung, Einführung und dem Schutz der allgemeinen kirchlichen Disziplin dienlich sind. Keinesfalls kann das Partikularkonzil jedoch Lehren des Glaubens oder der Sitten definieren bzw. etwaige Änderungen vornehmen oder gar verfügen; dies kommt allein dem Papst und dem Bischofskollegium zu. Dennoch können die Bischöfe auch auf den Partikularkonzilien „als authentische Künder und Lehrer des Glaubens zum Wachstum und zum Schutz des Glaubens die gesunde Lehre der Kirche darlegen (753) und Irrtümer als solche kennzeichnen (823 § 2)“[18].

2.3. Teilnehmer

In c. 443 CIC wird die Teilnahme am Plenarkonzil geregelt. Grundsätzlich sind zwei Kategorien von Teilnehmern zu unterscheiden: solche mit beschließendem Stimmrecht (votum deliberativum) und solche mit beratendem Stimmrecht (votum consultativum). Dazu können ferner Gäste treten (c. 443 § 6 CIC), die weder beratendes noch beschließendes Stimmrecht besitzen; hier ist z.B. an Vertreter anderer christlicher Kirchen und Gemeinschaften zu denken. Teilnehmer mit Stimmrecht, die eingeladen werden müssen, sind die Diözesanbischöfe, Koadjutoren und Auxiliarbischöfe, sowie weitere Titularbischöfe, die in dem betreffenden Gebiet ein besonderes vom Apostolischen Stuhl oder von der Bischofskonferenz übertragenes Amt wahrnehmen, beispielsweise der Apostolische Nuntius.[19] Stoffel hält von Gesetzes wegen weiterhin teilnahmeberechtigt die „den Diözesanbischöfen rechtlich gleichgestellten Vorsteher der Gebietsprälaturen und der Gebietsabteien, der Apostolischen Vikariate und Apostolischen Präfekturen sowie der auf Dauer errichteten Apostolischen Administratoren (c. 381 § 2 CIC) und ebenso die Diözesanadministratoren (c. 427 § 1 CIC).“[20] Dieser Interpretation, die freilich mit dem noch anderslautenden c. 282 § 1 CIC/17 kompatibel ist, muss jedoch entgegnet werden, dass zur Beantwortung dieser Fragestellung letztlich konkret die theologische – und somit erst sekundär rechtliche – Problematik aufgeworfen wird, ob nun die Bischofsweihe, bzw. die damit einhergehende sacra potestas, oder eben lediglich potestas ordinaria zur Teilnahme mit Stimmrecht qualifiziert. C. 339 § 1 CIC normiert, dass es nur und allein den Bischöfen zukommt, am Ökumenischen Konzil mit entscheidendem Stimmrecht teilzunehmen; der in seiner Formulierung kryptische § 2 hat bislang keine weitere Konkretisierung erfahren. Somit wäre also zu folgern – gemäß eines argumentum a maiore ad minus – dass den genannten Ämtern keinerlei Stimmrecht zukommt, sofern deren Inhaber nicht auch die Bischofsweihe empfangen haben; die eben Nicht-Gleichstellung mit dem Diözesanbischof entspringt also der Natur der Sache selbst (c. 381 § 2 CIC). Diese Interpretation wäre auch kongruent mit der Tatsache, dass auch den höheren Oberen der Ordensgemeinschaften kein votum constitutivum auf dem Plenarkonzil zukommt, ebenfalls eine Änderung gegenüber der alten Vorschrift des c. 282 § 1 CIC/17. Mit Blick auf den Diözesanadministrator ist weiterhin ausdrücklich auf die Norm des c. 428 CIC zu verweisen, der explizit unterbindet, dass der Diözesanadministrator Entscheidungen trifft, die den zukünftigen Inhaber des Sitzes und seine Rechte beeinträchtigen könnten. Als Teilnehmer können jedoch Ruhestands-Titularbischöfe eingeladen werden, unter diese Regelung dürften also die emeritierten Diözesan- und Weihbischöfe fallen. Im Falle einer Einladung besitzen auch diese entscheidendes Stimmrecht (c. 443 § 2 CIC).

Teilnehmer mit beratendem Stimmrecht haben das Recht zur Wortmeldung, sind aber nicht am endgültigen Ergebnis durch Abstimmung beteiligt. Eingeladen werden müssen: die Generalvikare und die Bischofsvikare aller Teilkirchen des Gebietes (c. 443, § 3, 1° CIC), dazu die höheren Oberen der Ordensinstitute und der Gesellschaften des apostolischen Lebens. Die Teilnehmer sind von allen höheren Oberen der Institute und Gesellschaften, die ihren Sitz in Deutschland haben, zu wählen, die zu wählende Anzahl wird von der Bischofskonferenz bestimmt (c. 443 § 3, 2° CIC). Ferner sind einzuladen die Rektoren der kirchlichen und der katholischen Universitäten und die Dekane der kanonistischen und theologischen Fakultäten in Deutschland (c. 443 § 3, 3° CIC) sowie einige Regenten der Priesterseminare. Bei letzteren wird deren Zahl wiederum durch die Bischofskonferenz bestimmt, die Wahl erfolgt dann durch alle Regenten der Seminarien in Deutschland (c. 443 § 3, 4° CIC). Zusätzlich können weiterhin mit beratendem Stimmrecht Priester sowie andere Gläubige eingeladen werden, d.h. Ordensleute, Männer und Frauen. C. 443 § 4 CIC verlangt jedoch, dass die Zahl dieser zusätzlich geladenen Teilnehmer nicht die Hälfte der Teilnahmeberechtigten mit entscheidendem und beratendem Stimmrecht (c. 443 §§ 1-3 CIC) übersteigt. Eine Kriteriologie für die Auswahl dieser Teilnehmer findet sich im Normtext indes nicht.

Die zum Plenarkonzil Einberufenen sind zur Teilnahme verpflichtet, es sei denn, sie sind rechtmäßig verhindert, was dem Vorsitzenden mitzuteilen ist (c. 444 § 1 CIC). Die Teilnahme an einem Partikularkonzil ist also nicht nur ein Recht, sondern vielmehr auch verantwortungsvolle Pflicht (c. 445 CIC). Säumigkeit zieht zwar keine direkte Strafe nach sich, eine solche ist aber auch nicht ausgeschlossen (c. 1315 CIC). Teilnehmer mit entscheidender Stimme können bei Verhinderung einen Vertreter schicken (c. 445 § 2 CIC), diesem jedoch nicht ihr Stimmrecht delegieren. Konzilsteilnehmer mit votum consultivum können sich nicht vertreten lassen. Alle Teilnehmer mit beschließender oder beratender Stimme haben vor dem Vorsitzenden oder seinem Beauftragten das Glaubensbekenntnis abzulegen, der Vorsitzende aber vor dem Konzil selbst (c. 883, 1° CIC).

2.4 Rekognoszierung und Promulgation der Dekrete

Nach Beendigung des Plenarkonzils hat der Vorsitzende alle Akten an den Apostolischen Stuhl zu übersenden. Beschlossene Dekrete des Konzils dürfen nicht promulgiert werden, bis der Apostolische Stuhl diese rekognosziert hat (c. 446 CIC). Gegenstand dieser Überprüfung ist wohl vor allem die Kompatibilität der Beschlüsse mit dem ius commune und dem depositum fidei. Die Zuständigkeit liegt auch hier wiederum bei der Bischofskongregation, ggf. nach Beratung mit den entsprechenden Dikasterien[21], zum Beispiel dem Päpstlichen Rat für die Auslegung von Gesetzestexten (PCLT) und der Glaubenskongregation. Die Gesetzgebung des Plenarkonzils ist Partikularrecht, das für das betreffende Gebiet Geltung hat (c. 13 § 1 CIC) und die Gläubigen trifft, die dort Wohnsitz oder Nebenwohnsitz haben (c. 12 § 3 CIC). Da Gesetze erst mit der Promulgation ins Dasein treten (c. 7 CIC), entbehren die Beschlüsse des Konzils bis zum Zeitpunkt der Promulgation, dessen Art und Weise das Konzil selbst bestimmen kann, ebenso wie den Zeitpunkt des Inkrafttreten der Dekrete selbst, jeglicher Rechtskraft. Von den Gesetzen des Plenarkonzils kann der Ortsordinarius (c. 134 § 1 CIC) in Einzelfällen zum Wohl der Gläubigen dispensieren (c. 88 CIC).

3. Ergebnis

Aufgrund der dargestellten Rechtslage im Codex von 1983 zum Plenarkonzil ist die Durchführung einer deutschen Nationalsynode nach dem Vorbild der Würzburger Synode nicht möglich. Berufene Priester, Diakone und Laien, die mit den Bischöfen das Volk Gottes abbilden, besitzen „nur“ beratende Stimme. Dennoch warnen Hallermann und Aymans davor, dieses Faktum des nur beratenden Stimmrechts gering zu schätzen. Mit Verweis auf c. 228 § 2 CIC[22] sei es ein „wesentlicher Bestandteil des konziliaren Elementes der Kirchenverfassung und besteht in erster Linie in dem Recht, sich gemäß der Konzilsordnung zu Wort zu melden und frei seine Meinung zur Sache äußern zu können“[23]. Angesichts der deutschen Mentalität jedoch, dass nur der wirklich zählt, der nach Beratung mitentscheidet, ist kritisch zu fragen, ob dem ZdK und den deutschen Bischöfen diese Bestimmung des kirchlichen Gesetzbuches genügt, die freilich weiterhin voraussetzt, das die Teilnehmer des Plenarkonzils, die beraten werden, letztlich auch beraten werden wollen. Damit muss auch die Bereitschaft verbunden sein, von eigenen Positionen und Meinungen Abstand zu nehmen, weil man im Rat der Gläubigen wichtige neue Erkenntnisse finden kann, die zu einer Veränderung der eigenen Meinung führen können. Dies setzt umgekehrt bei den ratenden Gläubigen die Bereitschaft voraus, nicht nach bloßen Mehrheiten für die eigene Position zu schauen, sondern im Beratungsprozess möglichst nach einer einvernehmlichen Lösung Ausschau zu halten.[24]

Um also eine Nationalsynode nach Würzburger Vorbild durchführen zu können, müsste die Deutsche Bischofskonferenz mit der Bitte um Dispens von einzelnen Normen zum Plenarkonzil – vor allem eben der Frage des beschließenden oder nur beratenden Stimmrechts (c. 443 §§ 3 – 5 CIC) – ein entsprechendes Gesuch bei der Bischofskongregation stellen. Diesem Gesuch müssten die Statuten und die Geschäftsordnung der angedachten Nationalsynode beigefügt werden, die sich ja an den bekannten Statuten und der Geschäftsordnung der Würzburger Synode orientieren könnten. Diese wären also vorgängig noch zu erstellen. Im Gesuch selbst müssten alle Normen zum Plenarkonzil des Codex angegeben werden, von denen dispensiert werden soll. Angesichts der aktuellen kirchenpolitischen Lage, in der Papst Franziskus die freie Rede wünscht und damit auch die Partizipation der Gläubigen in rechtlich verbindlicher Form, ist es allein eine Frage des politischen Willens der deutschen Bischofskonferenz, ein solches Gesuch zu stellen und sich mit Nachdruck in Rom für ihren positiven Bescheid einzusetzen.

Von zentraler Bedeutung für die Entscheidung, ein Plenarkonzil durchzuführen oder nicht, ist m.E. aber auch, welche diözesanübergreifenden Themen auf dieser Nationalsynode überhaupt besprochen und entschieden werden sollen. Die Würzburger Synode stand noch ganz im Zeichen des II. Vaticanum und der konkreten Umsetzung seiner Impulse für die Pastoral. Nur wenn solche Themen identifiziert werden können, lohnt das Projekt der Durchführung einer Nationalsynode. Dabei sollte allen Beteiligten klar sein, dass aus römischer Perspektive Themen, die der universalkirchlichen Klärung vorbehalten sind – Stichworte wie Weiheämter für Frauen, Umgang mit wiederverheiraten Geschiedenen, Pflichtzölibat, Ausweitung der Ökumene seien hier beispielhaft genannt –, nicht Beratungsgegenstände auf einem Plenarkonzil sein dürfen. Die Instruktion zur Diözesansynode aus 1997 ist hier unmissverständlich: „Die zwischen der Teilkirche und ihrem Oberhirten und der Gesamtkirche und dem Papst herrschende tiefe Verbundenheit fordert, dass der Bischof von der Synodendiskussion Thesen oder Positionen ausschließt, die von der fortwährenden Lehre der Kirche oder dem Päpstlichen Lehramt abweichen bzw. disziplinäre Fragen betreffen, die der höchsten oder einer anderen kirchlichen Autorität vorbehalten sind und die unter Umständen mit dem Anspruch eingebracht wurden, dem Heiligen Stuhl entsprechende ‚Voten´ zu übersenden.“[25]

Anmerkungen

 

[1] Vgl. Heribert Hallermann, Eine neue „Gemeinsame Synode“? Rechtliche Möglichkeiten und Grenzen, in: Kirche und Recht 21 (2015), im Druck; ders., Art. Gemeinsame Synode, in: LKStKR Bd. 2, 41-44; ders., Das Statut der Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland, in: Wilhelm Rees / Joachim Schmiedl (Hg.), Unverbindliche Beratung oder kollegiale Steuerung? Kirchenrechtliche Überlegungen zu synodalen Vorgängen (Europas Synoden nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil Bd. 2), Freiburg 2014, 87-104; Norbert Witsch, Art. Plenarkonzil, in: LKStKR Bd. 3, 241-243.

[2] Manfred Belok, Dialog auf Augenhöhe?, in: www.domradio.de/themen/reformen/2014-09-16/pastoraltheologe-belok-zieht-bilanz-zum-dialogforum-der-kirche (eingesehen am 10.01.2015).

[3] Vgl. www.kmf-net.de/news/newsdetails/pressemitteilung-kmf-laedt-zu-buendnis-fuer-eine-synode-ein-352/ (eingesehen am 10.01.2015).

[4] Vgl. cc. 439 – 446 CIC.

[5] Vgl. Oskar Stoffel, MKCIC, vor c. 439, 1.

[6] Vgl. Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland. Offizielle Gesamtausgabe B. 1, Freiburg 1976 (= GSyn); Sabine Demel /Hanspeter Heinz / Christian Pöpperl, „Löscht den Geist nicht aus“. Synodale Prozesse in deutschen Diözesen, Freiburg 2005.

[7] Vgl. GSyn, 861-862.

[8] Vgl. cann. 281-282 CIC/1917, die das Plenarkonzil behandeln. Das Plenarkonzil war danach eine Versammlung u.a. der Ordinarien mehrerer Kirchenprovinzen in Anwesenheit eines päpstlichen Legaten, an denen Laien auch nicht mit beratender Stimme teilnehmen durften.

[9] José Orlandis, Función historica y eclesiologica de los concilios particulares: La synodalité, Paris 1992; Hermann J. Sieben, Die Partikularsynode. Studien zur Geschichte der Konzilsidee, Frankfurt a. Main 1990; Elias O. Poblete, The Plenary Council. A historical Synopsis and a Commentary, Washington 1958; Winfried Aymans, Das synodale Element in der Kirchenverfassung, München 1970.

[10] CD 36,2.

[11] Vgl. cc. 337 § 1, 339 § 2 CIC.

[12] Vgl. cc. 439 § 1, 440 § 1 CIC.

[13] Vgl. c. 460 CIC.

[14] Vgl. c. 466 CIC; vgl. Christoph Ohly, Diözesansynode. Kirchenrechtliche Streiflichter zu einer traditionsreichen Kirchenversammlung , in: TThZ 122 (2013), 239-257.

[15] Vgl. Michael Böhnke, Theologische Anmerkungen zur Geltung des Subsidiaritätsprinzips in der Kirche, in: Thomas Schüller/Martin Zumbült (Hg.), Iustitia est constans et perpetua voluntas ius suum cuique tribuendi. Festschrift für Klaus Lüdicke zum 70. Geburtstag. Essen 2014, 105-120.

[16] Vgl. c. 439 § 1 CIC.

[17] Vgl. Papst Johannes Paul II, Apostolische Konstitution Pastor bonus v. 28.06.1988, in: AAS 80 (1988), 841-930; dt. Übersetzung auf http://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/pastor_bonus.pdf (eingesehen 13.01.2015).

[18] Oskar Stoffel, MKCIC, c. 445,2.

[19] Vgl. c. 443 § 1, 1°, 2°, 3° CIC.

[20] Oskar Stoffel, MKCIC, c. 443, 3a.

[21] Vgl. PB 82.

[22] „Laien, die sich durch Wissen, Klugheit und Ansehen in erforderlichem Maße auszeichnen, sind befähigt, als Sachverständige und Ratgeber, auch in Ratsgremien nach Maßgabe des Rechts, den Hirten der Kirche Hilfe zu leisten.“

[23] Aymans-Mörsdorf KanR II, 307.

[24] Vgl. Thomas Schüller und Thomas Neumann, Demokratie und Wahrheit. Entscheidungsprozesse in  der Kirche aus kanonistischer Perspektive, in: ThQ 2015 (in Vorbereitung).

[25] http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cbishops/documents/rc_con_cbishops_doc_20041118_diocesan-synods-1997_ge.html (eingesehen am 12.01.2015).

Der Autor

Prof. Dr. Thomas Schüller ist Universitätsprofessor für Kirchenrecht an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Direktor des Instituts für Kanonisches Recht (IKR).
Mit Judith Könemann war er Herausgeber des Buches „Das Memorandum“, Herder-Verlag, Freiburg 2011, das Für- und Wider-Positionen zum Memorandum »Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch« von katholischen Theologieprofessorinnen und -professoren versammelt und damit einen umfassenden Blick auf die Situation der Kirche und der Theologie in Deutschland ermöglicht.

Erstveröffentlichung in
Hirschberg 02/2015, S. 109-115

Die Bestimmungen des Kirchenrechts und der Weg zu einer Synode:

Um eine Synode nach Würzburger Vorbild durchführen zu können, müsste die Deutsche Bischofskonferenz mit der Bitte um Dispens von einzelnen Normen zum Plenarkonzil – vor allem der Frage des beschließenden oder nur beratenden Stimmrechts – ein Gesuch bei der Bischofskongregation stellen.“

Thomas Schüller